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Corona hält unserer Gesellschaft den Spiegel vor

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Statt „höher, schneller, weiter, immer mehr“ sollte das Motto lieber „besser und nachhaltiger“ lauten. Qualitatives statt quantitatives Wachstum.

Sollten wir uns noch leisten, zu Silvester allein in Deutschland 10.000 Tonnen Feuerwerk für 133 Millionen Euro mit 4.000 Tonnen Feinstaub in die Umwelt zu blasen? Abgesehen von der Umweltverschmutzung durch Lärm für Mensch und Tier.

Sollten wir uns noch den Spaßtourismus leisten, wobei schon 2017 weltweit circa eine Milliarde Euro Tonnen CO2 allein durch den weltweiten Flugverkehr in die Luft gelangten. Abgesehen von den Kreuzfahrt-Schiffen, die in den Fjorden und Hafenstädten Unmengen von Feinstaub abladen.
Sollten wir uns in unserer Wohlstandsgesellschafft weiterhin unsere Flatrate-/All-Inclusive-Konzepte leisten, die Überproduktion und Wegwerf-Mentalität fördern?

Können wir uns leisten, Corona-Maßnahmen/-Regeln gegen den Umweltschutz auszuspielen, indem wir Heizpilze aufstellen, um auch im Winter draußen sitzen zu können oder dass wir jeden Herbst Geschwader von Laubbläsern auf die Menschheit loslassen, um Energie zu verschwenden und Umwelt durch Lärm / Gestank zu verpesten?
Diese Fragen an das Gewissen der (politischen) Entscheider aber auch an den mündigen Bürger ließen sich noch endlos weiter führen.
Was bleibt, ist aber eine grundsätzliche Frage:

Warten wir nur hufescharrend auf die alte Normalität oder wollen wir, als Lehre aus dem Weckruf der Corona-Pandemie, zu einer nachhaltigen Normalität 2.0?

Und von den Stadtverordneten und Entscheidern von Bad Oldesloe wünsche ich mir konkret, dass sie sich zu einem Verbot vom Abbrennen privaten Feuerwerks – auch Jugendfeuerwerk – ab Silvester 2020/21 entschließen. Als ein weiteren Schritt für ein nachhaltiges Leben in Bad Oldesloe und auf der ganzen Welt.

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Kita und Erziehung

“Sanfte” Kita-Öffnung: Gedanken einer Krippen-Erzieherin

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In einem öffentlichen Brief an unsere Redaktion schreibt eine Erzieherin ihre Sorgen über die geplante und bald anstehende Öffnung der Kitas nach dem Lockdown. Wir veröffentlichen ihn hier in voller Länge:

Kindertagesstätte Symbolfoto: Dimitri Ma/shutterstock

Am 22. Februar kommen in meine Gruppe wieder alle zehn Kinder zusammen, die sich seit Wochen nicht gesehen haben. Die Kinder, die nicht in der Notbetreuung waren, kommen ohne jegliche Möglichkeit, in Ruhe anzukommen und sich neu einzugewöhnen.

Mir graust es schon davor, am Montag von 8:00 bis 8:30 Uhr die Kinder in Empfang zu nehmen. Sie werden es nicht leicht haben, sie werden weinen, wütend sein, schreien. Ich muss mit meiner Kollegin die Kinder auffangen, sie trösten, sie in den Arm nehmen. Trotz des Hygienekonzepts mit seiner Maskenpflicht und seiner Abstandsregel.

Ich werde es machen, da das meine Arbeit ist und die Kinder mir am Herzen liegen. Wohl ist mir dabei nicht. Wer garantiert mir, dass die Familien sich an die Maßnahmen gehalten haben?

Ich bin verunsichert. Innerlich zerrissen zwischen der Angst, mich anzustecken oder den Virus mit nach Hause zu bringen und meiner Aufgabe, meiner Leidenschaft, den Kindern Nähe und Geborgenheit zu schenken.

Würde es mir mit regelmäßigen Tests oder mit einer Impfung besser gehen? Ich weiß es nicht. Möchte ich mich überhaupt zum jetzigen Zeitpunkt impfen lassen? Ich weiß es nicht.

Ich mache mir Gedanken um die Kinder. Was hat die Zeit zu Hause mit ihnen gemacht? Haben die Eltern einen routinierten Tagesablauf beibehalten? Haben die Eltern sich mit ihren Kindern beschäftigt oder sie sich selbst überlassen? Machen sie noch Mittagsschlaf? Kennen sie noch unsere Regeln und unseren Tagesablauf? Werden wir sie überfordern? Wie werden sie reagieren, wenn sie uns nach so langer Zeit wieder mit Masken sehen?

Ich mache mir viele Gedanken über mich und die Rahmenbedingungen unter denen ich arbeiten soll.

Meine Kinder sind zwischen 12 und 36 Monaten, sie haben ihre Schwierigkeiten sich an die Hust- und Niesetikette zu halten. Müssen sie das in dem Alter schon richtig umsetzen können, wie die Großen? Sie sind mit anderen Dingen beschäftigt, nämlich ganzheitlich zu lernen. Sie probieren sich und ihren Körper aus, dazu gehört auch so einiges in den Mund zu nehmen. Unter normalen Bedingungen ist das schon schwierig, aber mit Corona im Hinterkopf mache ich mir gleich doppelt Sorgen.

Ich greife also zum Allheilmittel, dem Desinfektionsmittel, um alles zu reinigen. Meine Luft wird dünner, ich bekomme noch schwerer Luft unter meiner Maske, sie riecht nach Desinfektionsmittel. Mir wird warm, ich fühle mich schlecht. Sobald ich die Tür zum Lüften öffne, kommen die Kinder zu mir, ihnen ist kalt. Was soll ich tun? Lasse ich die Kinder frieren oder schließe ich das Fenster und bekomme Kopfschmerzen?

Fragen über Fragen, die mich seit Wochen, nein Monaten, beschäftigen.

Und da ist sie, die Lösung der Politik. So scheint es jedenfalls. Ich habe mir die Hoffnung gemacht, dass die Politiker an mich und meine Kolleginnen genauso denken wie an die Eltern und ihre Kinder.

Die sanfte Öffnung der Kindertagesstätten, die ja eh die ganze Zeit über offen waren, klang für mich so vielversprechend. Dabei blieb es aber leider auch.

Oder werden Montag noch Vorkehrungen zu meinem Schutz getroffen?

Ich hätte gerne ein Belüftungsgerät, welches dem oben genannte Problem vorbeugt. Ebenso schön wäre es, dass die Kinder vor dem Wiedereintritt in die Tagesstätte einmal getestet werden würden, um mir ein sicheres Gefühl, sowie auch eine Wertschätzung meiner Arbeit zu geben. Schließlich können wir es diesen jungen Kindern nicht zumuten, täglich mindestens sechs Stunden eine Mund- und Nasenbedeckung zu tragen oder ist das ihre Vorstellung für den zukünftigen Alltag?

Ich würde mir wünschen, dass nicht alle Kinder auf einmal wieder kommen, sondern dass sie stufenweise in die Gruppe finden können. Das würde mir helfen, mir Zeit für die Kinder zu nehmen und jedem Einzelnen gerecht zu werden.

Das ist für mich eine Wertschätzung der Kinder sowie der gesamten Pädagogik.

Nein? Nicht?

Steht denn bei Ihnen, Herr Günther, Herr Dr. Garg und Frau Prien die Quantität vor der Qualität?

Eine Besorgte Krippenerzieherin

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Bad Oldesloe

Offener Brief: Stadt soll Impftermine für Senioren koordinieren

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Weil viele ältere Menschen bei der Terminvergabe für die Corona-Impfungen überfordert sein könnten, fordert ein Oldesloer (83) in einem Offenen Brief von Bürgermeister Jörg Lembke, dass die Stadt die Berechtigten in der Altersgruppe über 80 direkt anschreibt.

Wir veröffentlichen den Brief von Klemens Henkes, Jahrgang 1937, an dieser Stelle in voller Länge:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lembke,

am 29.12.2020 wurde in der örtlichen Presse die Nachricht veröffentlicht, dass ab 9.00 Uhr diesen Tages Corona-Impftermine vereinbart werden können. Bereits um 11.43 Uhr waren alle verfügbaren Impftermine für Schleswig-Holstein vergeben.

Als nächster Impfterminvergabetag wurde der 05.01.2021 genannt. Berechtigt für derzeitige Impfungen sind alle über 80-Jährigen, aber auch das Personal an stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie an mit Coronaviren befassten Einrichtungen wie Rettungsdienste, Impfzentren, Krankenstationen.

Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Wochen weitere systemrelevanten Personengruppen wie Busfahrer, Feuerwehrleute, Lehrer usw. ihre durchaus berechtigten Impfwünsche stellen werden.

Alle diese Gruppen sind organisiert, ihnen stehen technische Möglichkeiten zur Verfügung, um bei der Vergabe von Terminen nach dem Windhundprinzip besser und schneller Zusagen zu bekommen.

Für die meisten der über 80-Jährigen, die nicht in Heimen sondern selbstständig zu Hause leben, trifft dies aber nicht zu, sie haben so gut wie keine Chance.

Ich ersuche Sie daher dringend, mit Ihrer Behörde sofort alle impfwilligen Oldesloer über 80 zu ermitteln und ihnen bei der nächsten landesweiten Aktion einen Impftermin im Impfzentrum Jugendherberge in Oldesloe zu organisieren.

Entsprechend der Aussage von Gesundheitsminister Spahn: Wir kommen auf Sie zu.

Mit freundlichen Grüßen, Klemens Henkes

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National

“Infodemie”: Ärzte warnen weltweit vor gefährlichen “Fake News” in sozialen Medien

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Arzt bei der Arbeit Symbolfoto: Bannafarsai_Stock

Berlin – In einem offenen Brief haben sich weltweit zahlreiche Ärzte, Krankenschwestern und Medizinforscher vor den Folgen von medizinischen “Falschbehauptungen” in den sozialen Netzwerken gewarnt. Diese seien eine reale, gesundheitliche Gefahr. Nicht nur Donald Trump kommt nämlich auf wahnwitzige Behandlungsideen, sondern auch andere Menschen, die ganz bewusst die Angst und Verunsicherung ausnutzen wollen.

Hier der offene Brief im Wortlaut:

Als Ärztinnen und Ärzte, Krankenpfleger/innen und Gesundheitsexpert/innen aus der ganzen Welt müssen wir jetzt Alarm schlagen. Es ist unsere Aufgabe, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Wir haben es in diesem Moment allerdings nicht nur mit der COVID-19-Pandemie zu tun, sondern auch mit einer weltweiten “Infodemie”, bei der durch Fehlinformationen, die sich in den sozialen Medien viral verbreiten, auf der ganzen Welt Menschenleben gefährdet werden.

Berichte, in denen behauptet wird, dass Kokain ein Heilmittel sei oder dass COVID-19 von China oder den USA als biologische Waffe entwickelt wurde, haben sich schneller verbreitet als das Virus selbst. Technologieunternehmen versuchen zu reagieren, indem sie bestimmte Inhalte, wenn sie gemeldet werden, löschen und es der Weltgesundheitsorganisation gleichzeitig erlauben, kostenlose Anzeigen zu schalten.

Diese Anstrengungen sind aber bei weitem nicht genug.

Die Flutwelle an falschen und irreführenden Inhalten über das Coronavirus ist kein isolierter Ausbruch von Desinformation, sondern Teil eines globalen Problems. Auf Facebook haben wir Behauptungen beobachtet, dass Chlordioxid Menschen hilft, die an Autismus und Krebs leiden, dass Millionen von Amerikanern durch die Polio-Spritze ein „Krebsvirus“ verabreicht wurde oder dass ADHS von den großen Pharmakonzernen erfunden wurde usw.

Diese Lügen sind von Bedeutung, weil sie falsche Heilmittel anpreisen oder die Menschen von Impfungen und wirkungsvollen Behandlungen abbringen wollen. Und sie haben eine große Reichweite — ein Beitrag auf Facebook, laut dem Ingwer 10.000-mal effektiver bei der Krebsbekämpfung sein soll als eine Chemotherapie, wurde fast 30.000-mal geliked, geteilt und kommentiert.

Deswegen rufen wir heute die Technologieunternehmen dazu auf, sofort und systematisch aktiv zu werden, um die Flut an medizinischen Fehlinformationen sowie die dadurch ausgelöste Gesundheitskrise zu stoppen. 

Durch unsere Arbeit in Krankenhäusern, Kliniken und Gesundheitsämtern auf der ganzen Welt kennen wir uns nur zu gut mit den tatsächlichen Auswirkungen dieser Infodemie aus. Wir sind diejenigen, die Kleinkinder mit Masern stationär behandeln – eine vollkommen vermeidbare Krankheit, die in Ländern wie den USA bereits als ausgerottet galt, jetzt aber vor allem dank Impfgegner-Propaganda wieder auflebt.

Als Angehörige der Gesundheitsberufe müssen wir uns nicht nur um die Folgen kümmern, sondern werden oft auch noch dafür verantwortlich gemacht. Fehlinformationen verschlechtern so die Moral eines ohnehin schon unter großem Druck stehenden Berufsstandes, während die finanziellen Kosten der Behandlung ohnehin übermäßig beanspruchte Budgets noch mehr belasten.

Die Diagnose sieht finster aus, was kann also getan werden?

Die sozialen Medien müssen mit zwei offensichtlichen und dringenden Schritten vorangehen.

Zunächst einmal müssen sie Richtigstellungen zu den Gesundheits-Fehlinformationen veröffentlichen. Das bedeutet, dass jede einzelne Person, die auf ihren Plattformen mit Gesundheits-Fehlinformationen in Berührung gekommen ist, gewarnt und benachrichtigt wird, und dass eine gut konzipierte und unabhängig überprüfte Korrektur angezeigt wird — etwas, das nachweislich dabei helfen kann, dass Benutzer nicht an gefährliche Lügen glauben. Während Plattformen wie Facebook bereits dazu übergegangen sind, auf Fakten geprüfte Fehlinformationen zu kennzeichnen, geht dieses Verfahren nicht weit genug, da Millionen von Menschen einen Beitrag sehen können, bevor er auf Fakten geprüft und gekennzeichnet wurde. Deshalb fordern wir Facebook dringend auf, ALLE Nutzer, die solchen Inhalten zum Opfer gefallen sind, zu warnen. Das bedeutet, einen Schritt weiterzugehen als die bloße Kennzeichnung, nämlich indem den Nutzern rückwirkend Richtigstellungen mitgeteilt werden.

Zweitens müssen die Plattformen ihre Algorithmen entgiften, die bestimmen, was den Benutzern angezeigt wird. Das bedeutet, dass gefährliche Lügen sowie diejenigen Seiten und Gruppen, die sie verbreiten, in den Benutzer-Feeds herab- und nicht heraufgestuft werden. Schädliche Fehlinformationen sowie Seiten und Kanäle, die “Wiederholungstätern” gehören, die diese Informationen verbreiten, sollten ebenfalls aus den inhaltsempfehlenden Algorithmen herausgenommen werden. Die Algorithmen konzentrieren sich derzeit mehr darauf, die Benutzer online zu halten, als ihre Gesundheit zu schützen. Und das führt zu einer Beeinträchtigung des gesellschaftlichen Wohlbefindens.

Technologieunternehmen, die sowohl die Verbreitung von Ideen erleichtern, als auch davon profitiert haben, befinden sich in einer unvergleichlichen Machtposition und sind dafür verantwortlich, der tödlichen Verbreitung von Fehlinformationen entgegenzuwirken, um zu verhindern, dass soziale Medien unsere Gesellschaft kränker machen. Um Leben zu retten und das Vertrauen in die wissenschaftlich fundierte Gesundheitsversorgung wiederherzustellen, müssen die Tech-Giganten aufhören, die Lügen, Verdrehungen und Fantasien, die uns alle bedrohen, weiter anzufachen.

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