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Bad Oldesloe

Umstrittenes “Late-Night-Shopping”: Mehr Frust als Freude

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“Wo ist hier was los?” – das Late Night Shopping enttäuschte.
Foto: SL

Bad Oldesloe – Sie hatten es geahnt und behalten am Ende wohl Recht. Zahlreiche Oldesloer Geschäftsleute und die Wirtschaftsvereinigung Bad Oldesloe hatten Befürchtungen geäußert, dass das sehr kurzfristig von dem in der Kreisstadt bisher als Entertainer und Veranstalter noch komplett unbekannten Joe Berneau organisierte “Late Night Shopping” falsche Erwartungen wecken würde, die nur zu Enttäuschungen führen könnten. Wir haben uns am Sonnabend vor Ort umgeschaut und trafen in der Innenstadt: fast niemanden.

Und tatsächlich interessierte sich am Sonnabend kaum jemand für das Event, das zusätzlich mit Problemen zu kämpfen hatte. Wer durch den größten Bereich der Fußgängerzone ging, wäre von sich aus nicht auf die Idee gekommen, dass gerade ein “Late Night Shopping” stattfindet. Ungefähr gefühlt 80 % der Geschäfte hatten bereits um 18 Uhr geschlossen, einige wenige hatten sowieso ganz natürlich nach Plan noch auf und ungefähr 10 Prozent  beteiligten sich aktiv am Late-Night-Shopping. Oder besser, sie versuchten es. Bei manchen bereitete das aber mehr Frust als Freude.

Vor McGeiz musste das sichtlich geknichte Personal Kunden erklären, warum bei Ihnen der Spaß schon früh beendet war.  “Es kam jemand her, baute einen Tisch auf, gab zehn Sekunden Autogramme – aber ihn kannte man ja nicht – und dann war es schon vorbei”, sagt ein Mitarbeiter. “Das ist alles Zeitverschwendung. Wir stehen hier mit unserem Personal. Kunden sind keine da und es wurden auch keine angelockt durch die Aktion. Wir haben tatsächlich dafür sogar bezahlt, dass wir dabei sein können. Die Gegenleistung war quasi null. Da fühlt man sich doch veralbert. Alles was wir bekommen haben, ist eigentlich ein Plakat. Ich würde am liebsten direkt Feierabend machen. Wir würden nie mehr bei so etwas mitmachen”, sagt er.

Damit traf er den Kern der Befürchtungen der Wirtschaftsvereinigung und anderer Veranstalter aus der Kreisstadt. Nämlich die, dass Enttäuschung und Frust dazu führen, dass Geschäfte sich auch gegenüber anderen Veranstaltungen sperren und Frust aufkommt. Insgesamt sorgte die Aktion laut der Kritiker schon dafür, dass die Stimmung untereinander sich eher verschlechterte als verbesserte.

Vor dem Mocca – in dem gerade “Big Harry” auftrat – traf man Stammgäste. “Ist ja leerer als sonst an einem Sonnabend”, stellten sie fest. Allerdings freuten sie sich über Livemusik. “Warum nicht mal? Ist eine nette Idee, aber dafür braucht man kein Late night shopping”, fügte die Begleitung an.  Dem Musiker war auch kein Vorwurf zu machen. Er mühte sich in unterschiedlichen Locations, das beste aus der Situation zu machen. Musik in Geschäften ist allerdings nun auch keine neue Idee – wie die enorm erfolgreiche Ahrensburger “Musiknacht” – die auch bereits ein mal in Bad Oldesloe stattfand . Mehr Musik in Geschäften, mit mehr Vorbereitung – das kann ja für manche Formate eine Bereicherung sein. Dafür braucht es kein “Late night shopping”. 

Kein großer Andrang. “Big Harry” trat im Mocca auf.

Wie der bühnenerfahrene “Big Harry” versuchte auch der Oldesloer Nachwuchsschlagersänger Matthias Eike alles zu geben. Vor einigen wenigen Besuchern sang er bei “Waffel-Time”. beim “Kinderreigen” und im “Mocca”.  Richtig glücklich war er mit der Gesamtorganisation aber im Endeffekt auch nicht. Seinen letzten Auftritt musste er später in einer der Locations abbrechen, weil die Technik nicht mitspielte. “Man ist eine Erfahrung reicher”, sagte er.

Gänzlich fehlte die angekündigte “Frl. Menke”, die laut Berneau “kurzfristig” absagte. Da es aber keine ausgehängten Spielpläne oder Flyer gab, wer wann wo auftreten würde, suchten einige wenige NDW-Fans nach ihr. Enttäuscht fuhren sie wieder Richtung Hamburg, als sie erfuhren, dass Menke gar nicht mit dabei sein würde. “Wir hatten gelesen, die Läden sollten feierlich angestrahlt werden. Davon haben wir ehrlich gesagt, nichts gesehen”

“Stell dir vor es ist Late Night Shopping – aber keinen interessiert es”. Die Hindenburgstraße um am Eventtag um 18 Uhr.

 

Zur Belebung der Innenstadt trug die Aktion nicht bei. Denn die wenigen interessierten Passanten schauten verwundert durch Schaufenster geschlossener Geschäfte oder rüttelten sogar an Türen. “Stell dir vor es ist Late night shopping – aber keinen interessiert es und das auch noch Zurecht, wenn man das hier sieht”, übte sich Astrid Kowalik in Ironie. Sie war aus der Nähe von Ahrensburg nach Bad Oldesloe gekommen, um sich selbst ein Bild von der Aktion zu machen. “Wir sind Schlagerfans, aber das ist hier tatsächlich ein Witz, was geboten wird”, sagten sie. “Es ist teilweise so leer in den wenigen Veranstaltungsorten, dass man schon abgeschreckt wird. In einem Restaurant wirkte es eher so, als sei das Musik zu einer privaten Feier. Es waren eh durch Weihnachtsfeiern alle Plätze belegt. Einfach zuschauen, konnte man da nicht”, führt sie weiter aus.

Gähnend leer lagen die Besttorstraße und große Teile der Hindenburgstraße ab 18 Uhr vor den wenigen Passanten. Wie echte Belebung der Innenstadt zur Weihnachtszeit aussehen kann, wenn sie gut geplant und stimmungsvoll durchgeführt ist, zeigte sich zeitgleich in der hinteren Mühlenstraße, wo die bekannte Oldesloer Sängerin Gabi Liedtke auf dem Weihnachtsmarkt von Sebastian Hagen ihr Adventskonzert gab und das vor einem begeisterten Publikum. Sie lockte dabei mehr Besucher an, als das gesamte “Late Night Shopping”-Programm. 

 

 

 

 

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Bad Oldesloe

Grüne und Linke wollen Klimanotstand in Stormarn ausrufen

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Fabriken Foto: Vladj55/Shutterstock

Bad Oldesloe – Zur nächsten Sitzung des Kreistages Stormarn am 21. Juni bringen die Fraktionen die Grünen und der Linken einen gemeinsamen Antrag zur Ausrufung des Klimanotstandes im Kreis Stormarn ein.

Ähnliche Anträge wurden in den letzten Monaten etwa in Kiel, Lübeck, Bad Segeberg und vielen anderen Kreisen und Städten bundesweit vorgelegt und beschlossen. Ziel des Stormarner Antrages ist es, auch auf Kreisebene alles zu tun, damit die weitere Erwärmung des Weltklimas noch gestoppt werden kann, bevor es zu spät ist.

Dafür sollen unter anderem alle Maßnahmen, die der Kreis beschließt auf ihre Auswirkungen auf das Klima überprüft werden.

Maßnahmen, die dem Klimaschutz förderlich sind, sollen Priorität erhalten. Das Klimaschutzprogramm soll weiterentwickelt werden, ein Konzept für die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs entstehen und die Klimaschutzleitstelle wieder eingerichtet werden.

„Nach der Europawahl, in der die Grünen die stärkste politische Kraft in Stormarn geworden sind, wollen wir verschärft unsere klimapolitischen Ziele im Kreis durchsetzen. Dazu gehört die Aktualisierung und Fortschreibung des Klimaschutzprogrammes des Kreises und die Reaktivierung der Klimaschutz-Leitstelle. Wir wollen die Beratung für kommunale Klimaschutzprogramme und Radewegekonzepte intensivieren und ausweiten. Mittelfristig setzen wir uns weiterhin für einen eigenständigen Umweltbereich in der Kreisverwaltung ein. Es ist höchste Zeit, unsere klimapolitischen Ziele jetzt endlich umzusetzen“, sagt dazu Sabine Rautenberg, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag Stormarn.

Klimakrise auf allen Ebenen bekämpfen

„Wir freuen uns sehr, dass wir diesen wichtigen Antrag gemeinsam mit den Grünen in den Kreistag einbringen und hoffen, dass er auch bei den anderen Fraktionen breite Unterstützung finden wird. Die Klimakrise muss auf allen Ebenen mit Nachdruck bekämpft werden, auch hier im Kreis. Wenn in möglichst vielen Städten und Kreisen der Klimanotstand ausgerufen wird, hat das nicht nur die Folge, dass vor Ort der Klimaschutz Priorität erhält, es setzt auch ein Zeichen an die Bundesebene, endlich zu handeln, statt wie bisher in Placebo-Gremien wie dem Klimakabinett die notwendige Klimawende zu verschleppen. Die Linke will, dass die Klimawende sozial gerecht abläuft, daher ist im Antrag auch festgehalten, dass Maßnahmen nicht einseitig die finanziell schwachen Menschen im Kreis treffen sollen.“, so Heidi Beutin, Fraktionsvorsitzende der Linken im Kreistag.

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Bad Oldesloe

Kein Vertrauen: Lokalpolitiker wollen Ausschussvorsitzenden Rohde absetzen

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Bad Oldesloe – Matthias Rohde (FBO), soll seinen Posten räumen. Die Fraktion Freie Wähler und Familie (FWF) sieht das Vertrauen in den Vorsitzenden des Oldesloer Wirtschafts- und Planungsausschusses derart gestört, dass sie in der nächsten Stadtverordnetenversammlung seine Absetzung beantragen wird.

Matthias Rohde (FBO). Foto: Fischer

Rohde stand in den vergangenen Monaten vermehrt wegen Äußerungen in der Kritik und weil er eine Einladung zu einem Bürgergespräch nicht an die Ausschussmitglieder weitergeleitet hatte.

„Das notwendige Vertrauen in den Ausschussvorsitzenden für eine respektvolle, gleichberechtigte und offene Zusammenarbeit sehen wir nicht mehr gegeben. Weder können wir eine zumindest überwiegende, überparteiliche und gerechte Wahrnehmung des Ausschussvorsitzes erkennen, noch zeichnet sich ab, dass dies künftig zu erwarten wäre“, heißt es in einem Antrag der FWF, unterschrieben vom Fraktionsvorsitzenden Tom Winter und seinem Stellvertreter Wolfgang Schmidt. So beteilige sich Rohde regelmäßig an der Diskussion zu Tagesordnungspunkten, ohne jemals die Leitung abzugeben.

Persönliche und wertende Stellungnahmen seien eher Regel als Ausnahme. Mit der Würde und den Rechten des Gremiums sei das nicht vereinbar. Alle Fraktionen hatten Rohde mehrfach kritisiert.

Dass der Antrag in der Stadtverordnetenversammlung am 24. Juni (KuB-Saal, Beer-Yaacov-Weg 1) eine Mehrheit finden könnte, ist möglich.

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Bad Oldesloe

Oper “Weiße Rose”: Musikstudenten zeigen die letzten Stunden der Geschwister Scholl

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Bad Oldesloe – Die Stunden vor der endgültigen Dunkelheit: Den inneren Kampf zweier junger Menschen in einer Todeszelle zeigt die Oper „Weiße Rose“, die an diesem Wochenende von Studenten der Musikhochschule Lübeck in Kultur- und Bildungszentrum (KuB) in Bad Oldesloe aufgeführt wird.

Foto: Fischer

Acht Gesangssolisten der Musikhochschule verkörpern in einer eindrucksvollen Inszenierung die innere Gefühlswelt der von den Nazis zum Tode verurteilten Geschwister Hans und Sophie Scholl, wie sie versuchen, ihre Todesangst Stunden vor der Urteilsvollstreckung in Visionen, Selbstgesprächen und reflektierten Monologen zu verarbeiten.

Dabei kommt die von Regisseur Selçuk Cara umgesetzte Zimmermann-Oper (1986) ganz ohne Effekthascherei pathetische Heldeninszenierung, Geschrei und Blut aus, ohne Requisiten und aufwendige Kostüme. Nur Licht, Schatten, Nebel, Gesang und Schauspiel. Keine Ablenkung.

Reduktion als Stilmittel

Für Selçuk Cara ist Reduktion eines der stärksten Stilmittel, die die Opernwelt zu bieten hat: „Wir wollen die Gefühle zeigen und die Gedanken, die diesen beiden Menschen womöglich in der Todeszelle kamen.“ Alles, was dabei stören könnte, hat der preisgekrönte Regisseur und Opernsänger mit Zustimmung Udo Zimmermanns und dem Verlag gestrichen. Selbst auf das Finale, den Tod der Geschwister Scholl, wird verzichtet. Ebenso wie auf die übliche „Moral von der Geschichte“ am Ende des Stücks. Vielmehr schwingt diese im Subtext der Inszenierung mit: Die Nazis konnten vielleicht die Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl umbringen, ihre Gedanken aber nicht.

Nicht nur inhaltlich hat das Stück nur noch wenig mit einer Oper im klassischen Sinne gemein. Die Bühne ist schon aufgebaut, diesmal als Podest in der Mitte des Raumes.

Eine klassische, frontale Oper werden die Zuschauer am Wochenende hier nicht zu sehen bekommen. Stattdessen finden sie sich inmitten des Schauspiels wieder. Als Wandeloper bezeichnet Selçuk Cara das Konzept. Reduziert ist auch die Ausstattung des Saals: Stühle gibt es keine. Nur eine Sitzreihe, damit sich Zuhörer bei Bedarf während der 70 Minuten langen Oper ausruhen können. Während der Aufführung können und sollen sich die Besucher frei um die Bühne herum bewegen.

Begleitet werden die Studierenden von einem Kammerorchester der Musikhochschule Lübeck unter der musikalischen Leitung von Professor Robert Roche. Auch hier weichen die Theatermacher von den üblichen Normen ab. Das Orchester spielt diesmal nicht auf der Bühne, sondern oberhalb des Geschehens auf der Empore. „Bis Probenbeginn wussten wir nicht, wie das wirken würde aber es funktioniert“, sagt Robert Roche. Die Auslagerung der Instrumente hat einen pädagogischen Grund. Die Sängerinnen und Sänger, so sagt es Selçuk Cara, sollen nicht immer zum Dirigenten schauen, um ihren Einsatz nicht zu verpassen, sondern auf die Musik hören.

Bei den Proben wird deutlich: Die mittlerweile mehrjährige Kooperation zwischen dem KuB und der Musikhochschule bietet ein perfektes Umfeld und viel Raum für Experimente. Selçuk Cara jedenfalls ist zufrieden: „Ich würde das Stück so wie es jetzt ist auch jedem anderen Opernhaus der Welt aufführen.“

Die „Weiße Rose“ wird am Sonnabend, 15. Juni, um 20 Uhr und am Sonntag, 16. Juni, um 19.39 Uhr im Saal des Kultur- und Bildungszentrums aufgeführt. Für beide Vorstellungen gibt es noch Karten an der Abendkasse für 20,50 (erm. 14,50 Euro). Infos unter www.kub-badoldesloe.de

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