Folge uns!

Kommentiert

Arandela über G20-Protest: Die Gewalt hat die schönen Dinge untergehen lassen

Veröffentlicht

am

Das sagt die Oldesloer Jugendgruppe “Arandela – die linke Initiative” zum G20-Protestwochenende in Hamburg:

Wenn man an das vergangene Wochenende zurückdenkt, kommen einem schreckliche Bilder in den Kopf. Polizist*Innen, die mit Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern gegen Demonstrant*Innen vorgehen, vermummte Menschen, die Flaschen werfen, Autos und Barrikaden anzünden.

Bilder, die in diesen Szenarien untergehen sind die von über 75 000 friedlich und gemeinsam demonstrierenden Menschen mit den verschiedensten Hintergründen.

Insgesamt sind am Wochenende so viele schöne Dinge passiert, die in dem Desaster-Puzzle aus gewalttätigen Auseinandersetzungen, Polizeiwillkür und verfehlter Politik untergehen.

Die Akteure, die das Geschehen in Hamburg bestimmt haben, sind Polizei und Demonstranten*Innen. Einige von ihnen waren auch von Anfang an gewaltbereit, andere sind sogar zum Krawall machen angereist. Dass dies jedoch nur ein geringer Teil der gesamten Masse war, wird jedoch zu wenig wahrgenommen und es wird pauschalisiert. Alle Demonstranten*Innen sind links, alle Linken sind radikal, alle Radikalen gewaltbereit und am Ende kommt der Stempel Terrorist drauf und die Terroristen gehören erschossen. Das ist auf Facebook in einigen Kommentarspalten Konsens und die Hetze beginnt. In einem solchen Fall von Terrorismus zu sprechen, ist eine Respektlosigkeit gegenüber jenen, die durch „richtigen“ Terrorismus direkt betroffen waren.

Welchen Sinn ergäbe es denn für die Hamburger linke Szene, die Schanze zu verwüsten?

Die Krawalle mögen aus den zersprengten Demonstrationen entstanden sein, aber das, was in der Nacht passierte, hat nichts mehr mit Politik zu tun. Anwohner und Ladeninhaber, die auf der Schanze angesiedelt sind, beschrieben die Situation in einer auf Facebook veröffentlichten Erklärung wie folgt:

„(…) Der weit größere Teil waren erlebnishungrige Jugendliche sowie Voyeure und Partyvolk, denen wir eher auf dem Schlagermove, beim Fußballspiel oder Bushido-Konzert über den Weg laufen würden als auf einer linksradikalen Demo (…) „

+++ STELLUNGNAHME ZU DEN EREIGNISSEN VOM WOCHENENDE +++Wir, einige Geschäfts- und Gewerbetreibende des Hamburger…

Posted by Bistro Carmagnole on Mittwoch, 12. Juli 2017

Dem ist wenig hinzuzufügen. Außerdem hat sich inzwischen herausgestellt, dass auch rechte Hooligans und Rechtsextreme unter den brandschatzenden Idioten dabei waren. Gleiches gilt für die brennenden Autos. Dies ist nicht entschuldbar, aber da hat die linke Szene abgesehen von einem gewaltigen Imageschaden nichts von. Es ist wie in vielen Religionen. Im Namen einer Religion Gräueltaten zu begehen ist etwas anderes als tatsächlich religiös zu sein.

Bei einem Konflikt gibt es ja bekanntlich immer mehrere Seiten, womit wir bei der Polizei wären. Hier wird besonders auch in der linken Szene gerne pauschalisiert, aber man darf es sich auf keiner Seite zu einfach machen. Man sollte weder alle Polizist*Innen glorifizieren, noch verteufeln.

Zur Zeit hört man häufig Sätze, wie „Nun lasst doch mal die Polizisten in Ruhe!“, „Das sind auch nur Menschen!“ und „Für mich sind das alles Helden!“. Wir wollen niemandem das Mensch sein absprechen, aber zum Mensch sein gehört nun mal auch Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und das eigene Handeln zu reflektieren, besonders wenn es auf Anordnung von anderen hin geschehen soll und die Vereinbarkeit mit den Menschenrechten fraglich ist.

Auf der einen Seite müssen die prekären Arbeitsbedingungen auch angeprangert werden, denn gerade in einem Beruf wie diesem ist die Mischung aus Schlafmangel, Aggression und Verantwortung eine sehr gefährliche. Ganz davon abgesehen war die Gewaltenteilung am vergangenen Wochenende in Hamburg praktisch aufgelöst und die Polizei hat gleichzeitig die Spielregeln bestimmt, durchgesetzt und Verstöße geahndet. Dies führt natürlich auch zu einer Überlastung bei den Beteiligten und in Stresssituationen wie diesen, kommt es dann auch vor, dass Aggressionen an Stellen austreten, wo sie nichts zu suchen haben. So etwas darf in einem Rechtsstaat nicht vorkommen.

Das Problem liegt nicht nur bei den einzelnen Polizist*Innen, sondern in der gesamten Struktur des Apparates. Bereits im Mai wurden Gesetzesänderungen verabschiedet, die die Polizeiwillkür unterstützen und es einfacher machen, unangenehme Personen festzunehmen und zu verurteilen.

Außerdem wurden bewusst Verletzte in den eigenen Reihen in Kauf genommen. Dehydrierte Polizist*Innen und Verletzte durch das eigene Pfefferspray sprechen nicht unbedingt für die Vorgesetzten, die mit der Planung und Durchführung des Manövers betraut waren.

So war auch mit der Ernennung Hartmut Duddes zum führenden Einsatzleiter klar, welche Linie in Hamburg gefahren werden soll. Mehrere seiner bisherigen Einsätze gegen Demonstrationen wurden im Nachhinein für rechtswidrig erklärt. Seine Philosophie ist durchgreifen – selbst bei kleinsten Ordnungswidrigkeiten. Deeskalation durch Machtdemonstration: eine Taktik, die sich ja bereits im Kalten Krieg wunderbar bewährt hat.

Insgesamt hätte es eine andere Taktik gebraucht, um eine friedliche Atmosphäre zu gewährleisten. Mehr Dialog, ruhigere Führung und mehr Vertrauen in die Mitmenschen und Demonstranten*Innen.

Informiert bleiben und folgen! Facebook und Twitter

National

“Infodemie”: Ärzte warnen weltweit vor gefährlichen “Fake News” in sozialen Medien

Veröffentlicht

am

Arzt bei der Arbeit Symbolfoto: Bannafarsai_Stock

Berlin – In einem offenen Brief haben sich weltweit zahlreiche Ärzte, Krankenschwestern und Medizinforscher vor den Folgen von medizinischen “Falschbehauptungen” in den sozialen Netzwerken gewarnt. Diese seien eine reale, gesundheitliche Gefahr. Nicht nur Donald Trump kommt nämlich auf wahnwitzige Behandlungsideen, sondern auch andere Menschen, die ganz bewusst die Angst und Verunsicherung ausnutzen wollen.

Hier der offene Brief im Wortlaut:

Als Ärztinnen und Ärzte, Krankenpfleger/innen und Gesundheitsexpert/innen aus der ganzen Welt müssen wir jetzt Alarm schlagen. Es ist unsere Aufgabe, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Wir haben es in diesem Moment allerdings nicht nur mit der COVID-19-Pandemie zu tun, sondern auch mit einer weltweiten “Infodemie”, bei der durch Fehlinformationen, die sich in den sozialen Medien viral verbreiten, auf der ganzen Welt Menschenleben gefährdet werden.

Berichte, in denen behauptet wird, dass Kokain ein Heilmittel sei oder dass COVID-19 von China oder den USA als biologische Waffe entwickelt wurde, haben sich schneller verbreitet als das Virus selbst. Technologieunternehmen versuchen zu reagieren, indem sie bestimmte Inhalte, wenn sie gemeldet werden, löschen und es der Weltgesundheitsorganisation gleichzeitig erlauben, kostenlose Anzeigen zu schalten.

Diese Anstrengungen sind aber bei weitem nicht genug.

Die Flutwelle an falschen und irreführenden Inhalten über das Coronavirus ist kein isolierter Ausbruch von Desinformation, sondern Teil eines globalen Problems. Auf Facebook haben wir Behauptungen beobachtet, dass Chlordioxid Menschen hilft, die an Autismus und Krebs leiden, dass Millionen von Amerikanern durch die Polio-Spritze ein „Krebsvirus“ verabreicht wurde oder dass ADHS von den großen Pharmakonzernen erfunden wurde usw.

Diese Lügen sind von Bedeutung, weil sie falsche Heilmittel anpreisen oder die Menschen von Impfungen und wirkungsvollen Behandlungen abbringen wollen. Und sie haben eine große Reichweite — ein Beitrag auf Facebook, laut dem Ingwer 10.000-mal effektiver bei der Krebsbekämpfung sein soll als eine Chemotherapie, wurde fast 30.000-mal geliked, geteilt und kommentiert.

Deswegen rufen wir heute die Technologieunternehmen dazu auf, sofort und systematisch aktiv zu werden, um die Flut an medizinischen Fehlinformationen sowie die dadurch ausgelöste Gesundheitskrise zu stoppen. 

Durch unsere Arbeit in Krankenhäusern, Kliniken und Gesundheitsämtern auf der ganzen Welt kennen wir uns nur zu gut mit den tatsächlichen Auswirkungen dieser Infodemie aus. Wir sind diejenigen, die Kleinkinder mit Masern stationär behandeln – eine vollkommen vermeidbare Krankheit, die in Ländern wie den USA bereits als ausgerottet galt, jetzt aber vor allem dank Impfgegner-Propaganda wieder auflebt.

Als Angehörige der Gesundheitsberufe müssen wir uns nicht nur um die Folgen kümmern, sondern werden oft auch noch dafür verantwortlich gemacht. Fehlinformationen verschlechtern so die Moral eines ohnehin schon unter großem Druck stehenden Berufsstandes, während die finanziellen Kosten der Behandlung ohnehin übermäßig beanspruchte Budgets noch mehr belasten.

Die Diagnose sieht finster aus, was kann also getan werden?

Die sozialen Medien müssen mit zwei offensichtlichen und dringenden Schritten vorangehen.

Zunächst einmal müssen sie Richtigstellungen zu den Gesundheits-Fehlinformationen veröffentlichen. Das bedeutet, dass jede einzelne Person, die auf ihren Plattformen mit Gesundheits-Fehlinformationen in Berührung gekommen ist, gewarnt und benachrichtigt wird, und dass eine gut konzipierte und unabhängig überprüfte Korrektur angezeigt wird — etwas, das nachweislich dabei helfen kann, dass Benutzer nicht an gefährliche Lügen glauben. Während Plattformen wie Facebook bereits dazu übergegangen sind, auf Fakten geprüfte Fehlinformationen zu kennzeichnen, geht dieses Verfahren nicht weit genug, da Millionen von Menschen einen Beitrag sehen können, bevor er auf Fakten geprüft und gekennzeichnet wurde. Deshalb fordern wir Facebook dringend auf, ALLE Nutzer, die solchen Inhalten zum Opfer gefallen sind, zu warnen. Das bedeutet, einen Schritt weiterzugehen als die bloße Kennzeichnung, nämlich indem den Nutzern rückwirkend Richtigstellungen mitgeteilt werden.

Zweitens müssen die Plattformen ihre Algorithmen entgiften, die bestimmen, was den Benutzern angezeigt wird. Das bedeutet, dass gefährliche Lügen sowie diejenigen Seiten und Gruppen, die sie verbreiten, in den Benutzer-Feeds herab- und nicht heraufgestuft werden. Schädliche Fehlinformationen sowie Seiten und Kanäle, die “Wiederholungstätern” gehören, die diese Informationen verbreiten, sollten ebenfalls aus den inhaltsempfehlenden Algorithmen herausgenommen werden. Die Algorithmen konzentrieren sich derzeit mehr darauf, die Benutzer online zu halten, als ihre Gesundheit zu schützen. Und das führt zu einer Beeinträchtigung des gesellschaftlichen Wohlbefindens.

Technologieunternehmen, die sowohl die Verbreitung von Ideen erleichtern, als auch davon profitiert haben, befinden sich in einer unvergleichlichen Machtposition und sind dafür verantwortlich, der tödlichen Verbreitung von Fehlinformationen entgegenzuwirken, um zu verhindern, dass soziale Medien unsere Gesellschaft kränker machen. Um Leben zu retten und das Vertrauen in die wissenschaftlich fundierte Gesundheitsversorgung wiederherzustellen, müssen die Tech-Giganten aufhören, die Lügen, Verdrehungen und Fantasien, die uns alle bedrohen, weiter anzufachen.

Weiterlesen

Berlin

Berlin: Angriff auf ZDF-Team – wenn Aufgehetzte den Restverstand verlieren

Veröffentlicht

am

Abstoßende Dummheit in Form von Pöbel-Parolen in Bad Oldesloe Foto: SL

Berlin – Das kommt also irgendwann dabei raus, wenn man das pauschale “Lügenpresse” Geschreie und die andauernde Hetze gegen Satire zu lange als “Meinung” zulässt.

Wie wir alle seit längerer Zeit merken, nimmt die Dummheit und die Bereitschaft zur Gewalt der Mitmenschen in diese Gesellschaft offenbar weiter zu. So manche sind nicht in der Lage sich mit der Realität auseinanderzusetzen und greifen dann irgendwann lieber zur Gewalt.

“Kritische” halten sich für aufgeklärt, weil sie irgendwelche Blogs und Verschwörungstheoretiker gelesen haben und “Demonstranten”, die für ihre Meinungsfreiheit auf die Straße gehen – und die ja durchaus ein Recht darauf haben – greifen immer häufiger Kollegen der Medien an. Das ist nicht hinzunehmen. Die Meinungsfreiheit der Demonstranten steht dabei nicht über der Pressefreiheit der Medien über diese Demonstrationen zu berichten.

Auch wir haben uns schon auf Veranstaltungen angiften lassen müssen. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Gewaltspirale sich immer weiter fortsetzt. Wie sich in Berlin nun heute wieder zeigte, folgen auf Worte irgendwann Taten. Das “Lügenpresse”-Geschreie ist ein Angriff auf die Pressefreiheit, das im Endeffekt die Demokratie gefährdet. Wer ein Kamerateam angreift, greift die Demokratie an.

In Berlin ist ein Fernsehteam des ZDF bei Dreharbeiten für die Satiresendung "heute-show" von Unbekannten angegriffen worden. Fünf Teammitglieder wurden dabei verletzt.

Gepostet von ZDF heute am Freitag, 1. Mai 2020

In Berlin waren es im Endeffekt 15 asoziale Aufgehetzte, die ihren Restverstand offenbar verloren haben und auf ein 7-köpfiges Kamerateam der Kollegen der “Heut-Show” losgingen. Mehrer Mitarbeiter des Senders wurden verletzt.

Das ist in keiner Weise entschuldbar oder hinnehmbar. Diese Verrohung der Gesellschaft ist bedenklich. Es ist total egal mit welcher politischen Ausrede oder sonstige Motivation und Rechtfertigung von sonstwo diese menschlichen Totalausfälle um die Ecke kommen werden. Sie sind ein gesellschaftliches Problem. Sie sind ein nicht mehr hinnehmbares demokratisches Problem.

Auch wir werden keinerlei pauschalen Verunglimpfungen und Pöbelein im Stil von “das ist eh alles gelogen” oder “Lügenpresse” mehr akzeptieren. Wer das für seine “Meinung” hält, mag das irgendwo ausleben. Wir werden diese Dummheit nicht länger dulden, weil man die Einfältigkeit auf Dauer nicht mehr erträgt und wir keine Plattform dafür bieten werden.

Weiterlesen

Politik und Gesellschaft

Corona-Blockwarte, Youtube-Experten und Assis mit Handschuhen

Veröffentlicht

am

Symbolfoto: Teodor Lazarev/shutterstock

Bad Oldesloe – Eines vorweg. Ja, es ist immer gut kritisch zu sein. Ja, es ist gut Dinge zu hinterfragen und ja, es ist mehr als okay, wenn man eine eigene Meinung hat. Aber und nun kommt das aber: eine eigene Meinung zu haben befreit einen in einer Gesellschaft mit vielen unterschiedlichen Indivduen nicht davon, sein Gehirn, seine Vernunft und vor allem Empathie und Rücksicht zu üben.

In diesen Tagen seit dem Beginn der ersten “Lockerungen” mehren sich die Stimmen, dass es doch alles nicht so schlimm sei. Es hat sich eine Routine eingeschlichen, ein gefährlicher Eindruck von Normalität in den Stormarner Kleinstadtinnenstädte. Kaufleute berichten von Stammkunden die entsetzt sind, dass sie sich an strenge Regeln halten sollen oder in einer Schlange warten. Es sind Ausnahmen, aber es gibt sie. Man möchte fragen: “Was stimmt mit euch nicht?”. Ein Gefühl, das auch aufkommt, wenn man lustige Treffen dreier Generationen in der Fußgängerzone beobachtet und seufzend mit zwei Meter Abstand an die Hauswand gedrückt vorbeischleicht.

Gleichzeitig zeigt sich an vielen Orten, dass die Geduld vieler Mitmenschen am Ende ist. Sie hatten eine Art Rücksichtsnahme “Akku” und der ist nun zum Teil halt offenbar leer. Doch darauf kann keine Rücksicht genommen werden.

Ihre gesellschaftlich problematische “Müdigkeit” zeigt sich auf verschiedene Arten und Weisen. Zum Einen ist es natürlich ziemlich lächerlich, wenn Menschen, die sich zwei , drei Youtube-Videos von esoterischen Alternativmedizin-Gurus angeschaut haben, glauben, sie könnten damit Virologen widerlegen.

Wenn das so einfach wäre, wären bestimmt mehr Menschen Mediziner geworden. Doch der Großteil ist es eben nicht und sollte sich bei der Einschätzung medizinischer Sachverhalte einfach zurückhalten. Ein “Ich denke aber, dass das Virus dieses und jenes macht”, ändert nichts an der Realität. Und es befreit nicht von Rücksichtnahme. Da kann man sich noch hundert Mal zum Löffel machen und das Grundgesetz gemeinsam mit Rechtspopulisten in der Querfront von Eso-Spinnern, ehrlich Besorgten und Neurechten spazieren tragen.

Glaubt jemand wirklich, das Querlesen dreier Verschwörungstheorien und das anschauen zweier Youtube-Videos ersetzt jahrelanges Studium, eine Doktorarbeit und Erfahrung im medizinischen Sektor? Es kommt einem leider so vor. Nun wäre es ja noch ertragbar, wenn diese Menschen dann halt ihren Kram einfach nur rausposaunen würden – anstrengend, aber hinnehmbar.

Aber damit ist ja leider bei zu vielen Zeitgenossen nicht Schluss. Sie denken (wenn man das so nennen kann ) offenbar, dass sie sich wegen ihrer eigenen Superkenntnisse nicht an Regeln halten müssen, denn sie haben das ja alles widerlegt dank der fragwürdigen Gurus.

Wie weit weg von Gut und Böse man sein kann, sieht man , wenn man sich die vollkommen verrückten Talkshows der nach rechts gestürzten Ex-Nachrichtensprecherin Eva Hermann oder des verwirrten nach rechts außen abgedrifteten Schnulzenbarden Xavier Naidoo anschaut. Tatsächlich wurden Videos dieser Kategorie auch an uns geschickt, als “Beweise”, dass das alles ganz anders ist.

Klar, weil Naidoo ja auch offenbar Ahnung von allen Dingen hat, wenn er nicht gerade in einem Wahn etwas von Kindern faselt, die von Hillary Clinton in unterirdischen Gefängnissen gefangengehalten werden. Klar, so einem “Experten” kann man ja nur vertrauen.

Gleichzeitig haben offenbar zu viele Mitmenschen immer noch nicht verstanden, dass die “Lockerungen” nicht bedeuten, dass nun alles gut sei. Besonders absurd sind die Exemplare der menschlichen Spezies, die mit Mundschutz einem auf die Pelle rücken, als bestehe keine Gefahr mehr, wenn sie sich den im Heimwerkerkeller gebastelten Schutz aufgesetzt haben. Ein Irrtum.

Andere ziehen sich Latexhandschuhe zum Einkaufen ein und werfen ihre gesammelten Bakterien und Viren dann einfach vor der Supermarkttür auf den Boden. Geht eigentlich noch mehr Egoismus und Ignoranz? Assis mit Handschuhen halt.

Weggeworfener Latexhandschuh FOto: SL

Fast jede Diskussion – sei es nun das Rufen nach “normalen Kitas”, was leider aktuell komplett unrealistisch und weltfremd bleibt oder die Hoffnung auf Events mit ein paar hundert Besuchern im Mai oder das Bestreben sofort alle Gastronomien zu öffnen – all diese menschlich ja durchaus nachvollziehbaren Wünschen bleiben geprägt von Befindlichkeiten und Egoismen, die oft leider ausklammern, welche Konsequenzen das für Mitmenschen hat.

So bleibt bei vielen leider sehr populistisch, emotional aufgeplustert geführten Diskussionen rund um Kita-Öffnungen die Rolle der ErzieherInnen zunächst erstaunlich lange unbeleuchtet und unkommentiert. Doch eine Öffnung könnte nur stattfinden wenn die ErzieherInnen, die danach wieder in den Alltag gehen, in Ganzkörperschutz und mit Maske auf arbeiten. Ob das dann die Kinder nicht in Angst und Schrecken versetzt ? Die Rolle der Kinder als Überträger ist nicht erforscht. Wie geht man damit um, ohne Ergebnisse aus Langzeitstudien? Gehen dann alle Familien der betreuten Kinder in Quarantäne, wenn in der Kita ein Corona-Fall auftaucht? Es bleibt alles kompliziert und eben nicht auf wütende Parolen reduzierbar, auch wenn man die Not mancher Familien durchaus verstehen kann.

Ebenso bleibt der Ruf nach “Herdenimmunität” erstaunlich. Kein Mensch weiß bisher zu 100 Prozent, ob es Immunität nach einer Genesung überhaupt gibt. Es braucht auch hier Langzeitstudien und nicht die Wunschvorstellung.

Und dann sind auf der anderen Seite noch die Corona-Blockwarte, die jetzt auch aufleben und die genau abzuschätzen wissen, welcher Besuch beim Nachbarn zur Familie gehört und welcher wohl nicht oder die hinterfragen, ob der Besuch einzelner Einkäufer im Supermarkt wirklich unbedingt notwendig war. Sie erweitern die bestehenden Regeln auch gerne um wichtige Regeln aus ihrer eigenen Erlebnis- oder Wunschwelt. Da lacht der Gartenzwerg hinter der akkurat geschnittenen Hecke.

All das sind Beispiele, dass der große “Zusammenhalt” und “Zusammen durch die Krise” immer häufiger nur in der Hochglanzwerbung der Supermärkte existiert, die mit der albernen, kitschig Ernennung ihrer Mitarbeiter zu “Helden” darüber hinwegtäuschen wollen, dass sie ihr Personal seit vielen Jahren unterbezahlen. Nebelkerzen garniert mit einer Bonuszahlung, die an den grundsätzlichen Arbeitsbedingungen für viele Menschen in der Branche nachhaltig nichts ändern.

Dass die Hilfe und Rücksicht untereinander langsam (und das kommt schon ziemlich schnell) bröckelt, sieht man in diversen Online-Hilfsgruppen in den Sozialen Medien, die immer häufiger zu Diskussionsplattformen verkommen oder virtuellen Orten an denen sich die oben genannten Charaktere treffen. Ob wir aus der Krise etwas für ein bessers Zusammebleben lernen? Es sieht nicht so aus. Aber beweist uns gerne das Gegenteil. Es ist noch nicht zu spät.

Weiterlesen
Werbung

Unterstütze unsere Arbeit

Stormarlive.de lesen ist kostenlos. Aber ihr könnt uns freiwillig über Paypal unterstützen.

 

Werbung