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Offener Brief: Burnout auf Raten – Pflegeausbildung in Oldesloe ohne Zukunft

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Nur mit mehr Personal für die praktische Ausbildung und geeigneten Ausbildungsräumen vor Ort ist die Ausbildungs- und die Pflegeversorgung in hoher Qualität gesichert. Zur Schließung der Krankenpflegeschule in Bad Oldesloe äußert sich Heidi Beutin, Kreissprecherin der Partei Die Linke, in einem offenen Brief.

Heidi Beutin-HochHeidi Beutin, Die LinkeDie Krankenpflegeschule in Bad Oldesloe hat erstmalig den diesjährigen Ausbildungsjahrgang ausgesetzt. Die anstehende Renovierung der Ausbildungsräume wurde zuerst mit einer Interimslösung auf einer Station der Klinik in Bad Oldesloe aufgefangen.

Dann entschied das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung die Schließung des bisherigen Standortes zum 30.09.2014, da der Asklepios-Konzern den Auflagen zur Renovierung nicht nachkommen wollte.

Der Betreiber der Schule, der Asklepios-Krankenhauskonzern arrangiert sich mit dieser verantwortungslosen Entscheidung der Landespolitik und schlägt eine denkbar unattraktive Fortführung dieses wichtigen regionalen Ausbildungsangebotes vor: die räumliche Splittung der praktischen und theoretischen Ausbildungsmodule.

Die angehenden Fachpflegekräfte sollen nun zwischen den Erfahrungen in der Pflegepraxis in Bad Oldesloe und einem Schulangebot in Hamburg oder Lübeck pendeln. Doch im BZG von Asklepios, dem Bildungszentrum für Gesundheitsberufe in Hamburg, ist kein Platz für weitere Auszubildende. Einen LehrerInnenmangel gibt es schon jetzt.

Dieser Vorschlag ist eine Mischung aus Zumutung und Verweigerung endlich nach einer echten Lösung in Bad Oldesloe zu suchen und die Landespolitik zurück in eine vernunftbeseelte Planung der Pflegeausbildung zu holen.

Die Pflegeausbildung in Bad Oldesloe, ist – wie andere Pflegeausbildungen auch – ohnehin schon jenseits von geregelten Standards nach dem Berufsbildungsgesetz und vernünftigen Tarifverträgen. Die Privatisierung der gesundheitlichen Vorsorge und Pflege in den vergangenen Jahrzehnten hat nicht nur zu einer weiteren Entwertung und alltäglichen Verschiebung der Belastungsgrenzen jenseits des Erträglichen in den Pflegeberufen geführt.

Jetzt droht einmal mehr die Qualität der Ausbildung eines gefragten und noch immer gesellschaftlich unterbewerteten Berufes zu kippen.

Die Ausbildung an einem Ort war für die Lernenden attraktiv. Zugleich war damit ein wichtiges Ausbildungsangebot im Flächenland in Schleswig-Holstein gesichert. Diesen Vorzug jetzt durch ein unzumutbares Lösungsangebot zu verspielen, kommt einem Tod auf Raten gleich.

Wenn am Standort Bad Oldesloe zukünftig nicht mehr vollständig vor Ort ausgebildet wird, wird der Klinik der Nachwuchs abgegraben. Nach der bereits erfolgten Schließung der geburtshilflichen Abteilung könnten weitere aufgrund hausgemachten Personalmangels folgen? Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung wäre damit nicht mehr sichergestellt.

Bevor dieser unhaltbare Zustand eintrat, war vom Medizinischen Pressesprecher der Asklepios- Kliniken, Dr. Franz Jürgen Schell noch zu vernehmen: “Die Interimslösung innerhalb der Klinik war eine Sofortmaßnahme und zur Überbrückung angedacht, bis geeignete Räume zur Verfügung stehen”1. Die jetzige Lösung ist eine Absage an den Fortbestand der Pflegeschule in Bad Oldesloe. Die einzig gangbare Lösung für eine gute Pflegeausbildung sind geeignete Ausbildungsräume und mehr Personal in Bad Oldesloe.

Heidi Beutin,

Kreisvorstand, Die Linke

 

Beiträge in der Rubrik “Briefe von den Lesern” geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe nicht, gekürzt oder in Auszügen zu veröffentlichen. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt.

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Kita und Erziehung

“Sanfte” Kita-Öffnung: Gedanken einer Krippen-Erzieherin

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In einem öffentlichen Brief an unsere Redaktion schreibt eine Erzieherin ihre Sorgen über die geplante und bald anstehende Öffnung der Kitas nach dem Lockdown. Wir veröffentlichen ihn hier in voller Länge:

Kindertagesstätte Symbolfoto: Dimitri Ma/shutterstock

Am 22. Februar kommen in meine Gruppe wieder alle zehn Kinder zusammen, die sich seit Wochen nicht gesehen haben. Die Kinder, die nicht in der Notbetreuung waren, kommen ohne jegliche Möglichkeit, in Ruhe anzukommen und sich neu einzugewöhnen.

Mir graust es schon davor, am Montag von 8:00 bis 8:30 Uhr die Kinder in Empfang zu nehmen. Sie werden es nicht leicht haben, sie werden weinen, wütend sein, schreien. Ich muss mit meiner Kollegin die Kinder auffangen, sie trösten, sie in den Arm nehmen. Trotz des Hygienekonzepts mit seiner Maskenpflicht und seiner Abstandsregel.

Ich werde es machen, da das meine Arbeit ist und die Kinder mir am Herzen liegen. Wohl ist mir dabei nicht. Wer garantiert mir, dass die Familien sich an die Maßnahmen gehalten haben?

Ich bin verunsichert. Innerlich zerrissen zwischen der Angst, mich anzustecken oder den Virus mit nach Hause zu bringen und meiner Aufgabe, meiner Leidenschaft, den Kindern Nähe und Geborgenheit zu schenken.

Würde es mir mit regelmäßigen Tests oder mit einer Impfung besser gehen? Ich weiß es nicht. Möchte ich mich überhaupt zum jetzigen Zeitpunkt impfen lassen? Ich weiß es nicht.

Ich mache mir Gedanken um die Kinder. Was hat die Zeit zu Hause mit ihnen gemacht? Haben die Eltern einen routinierten Tagesablauf beibehalten? Haben die Eltern sich mit ihren Kindern beschäftigt oder sie sich selbst überlassen? Machen sie noch Mittagsschlaf? Kennen sie noch unsere Regeln und unseren Tagesablauf? Werden wir sie überfordern? Wie werden sie reagieren, wenn sie uns nach so langer Zeit wieder mit Masken sehen?

Ich mache mir viele Gedanken über mich und die Rahmenbedingungen unter denen ich arbeiten soll.

Meine Kinder sind zwischen 12 und 36 Monaten, sie haben ihre Schwierigkeiten sich an die Hust- und Niesetikette zu halten. Müssen sie das in dem Alter schon richtig umsetzen können, wie die Großen? Sie sind mit anderen Dingen beschäftigt, nämlich ganzheitlich zu lernen. Sie probieren sich und ihren Körper aus, dazu gehört auch so einiges in den Mund zu nehmen. Unter normalen Bedingungen ist das schon schwierig, aber mit Corona im Hinterkopf mache ich mir gleich doppelt Sorgen.

Ich greife also zum Allheilmittel, dem Desinfektionsmittel, um alles zu reinigen. Meine Luft wird dünner, ich bekomme noch schwerer Luft unter meiner Maske, sie riecht nach Desinfektionsmittel. Mir wird warm, ich fühle mich schlecht. Sobald ich die Tür zum Lüften öffne, kommen die Kinder zu mir, ihnen ist kalt. Was soll ich tun? Lasse ich die Kinder frieren oder schließe ich das Fenster und bekomme Kopfschmerzen?

Fragen über Fragen, die mich seit Wochen, nein Monaten, beschäftigen.

Und da ist sie, die Lösung der Politik. So scheint es jedenfalls. Ich habe mir die Hoffnung gemacht, dass die Politiker an mich und meine Kolleginnen genauso denken wie an die Eltern und ihre Kinder.

Die sanfte Öffnung der Kindertagesstätten, die ja eh die ganze Zeit über offen waren, klang für mich so vielversprechend. Dabei blieb es aber leider auch.

Oder werden Montag noch Vorkehrungen zu meinem Schutz getroffen?

Ich hätte gerne ein Belüftungsgerät, welches dem oben genannte Problem vorbeugt. Ebenso schön wäre es, dass die Kinder vor dem Wiedereintritt in die Tagesstätte einmal getestet werden würden, um mir ein sicheres Gefühl, sowie auch eine Wertschätzung meiner Arbeit zu geben. Schließlich können wir es diesen jungen Kindern nicht zumuten, täglich mindestens sechs Stunden eine Mund- und Nasenbedeckung zu tragen oder ist das ihre Vorstellung für den zukünftigen Alltag?

Ich würde mir wünschen, dass nicht alle Kinder auf einmal wieder kommen, sondern dass sie stufenweise in die Gruppe finden können. Das würde mir helfen, mir Zeit für die Kinder zu nehmen und jedem Einzelnen gerecht zu werden.

Das ist für mich eine Wertschätzung der Kinder sowie der gesamten Pädagogik.

Nein? Nicht?

Steht denn bei Ihnen, Herr Günther, Herr Dr. Garg und Frau Prien die Quantität vor der Qualität?

Eine Besorgte Krippenerzieherin

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Bad Oldesloe

Offener Brief: Stadt soll Impftermine für Senioren koordinieren

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Weil viele ältere Menschen bei der Terminvergabe für die Corona-Impfungen überfordert sein könnten, fordert ein Oldesloer (83) in einem Offenen Brief von Bürgermeister Jörg Lembke, dass die Stadt die Berechtigten in der Altersgruppe über 80 direkt anschreibt.

Wir veröffentlichen den Brief von Klemens Henkes, Jahrgang 1937, an dieser Stelle in voller Länge:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lembke,

am 29.12.2020 wurde in der örtlichen Presse die Nachricht veröffentlicht, dass ab 9.00 Uhr diesen Tages Corona-Impftermine vereinbart werden können. Bereits um 11.43 Uhr waren alle verfügbaren Impftermine für Schleswig-Holstein vergeben.

Als nächster Impfterminvergabetag wurde der 05.01.2021 genannt. Berechtigt für derzeitige Impfungen sind alle über 80-Jährigen, aber auch das Personal an stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie an mit Coronaviren befassten Einrichtungen wie Rettungsdienste, Impfzentren, Krankenstationen.

Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Wochen weitere systemrelevanten Personengruppen wie Busfahrer, Feuerwehrleute, Lehrer usw. ihre durchaus berechtigten Impfwünsche stellen werden.

Alle diese Gruppen sind organisiert, ihnen stehen technische Möglichkeiten zur Verfügung, um bei der Vergabe von Terminen nach dem Windhundprinzip besser und schneller Zusagen zu bekommen.

Für die meisten der über 80-Jährigen, die nicht in Heimen sondern selbstständig zu Hause leben, trifft dies aber nicht zu, sie haben so gut wie keine Chance.

Ich ersuche Sie daher dringend, mit Ihrer Behörde sofort alle impfwilligen Oldesloer über 80 zu ermitteln und ihnen bei der nächsten landesweiten Aktion einen Impftermin im Impfzentrum Jugendherberge in Oldesloe zu organisieren.

Entsprechend der Aussage von Gesundheitsminister Spahn: Wir kommen auf Sie zu.

Mit freundlichen Grüßen, Klemens Henkes

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Corona hält unserer Gesellschaft den Spiegel vor

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Alle sehnen sich nach dem Ende von Corona und den Einschränkungen, die wir zur Eindämmung der Pandemie hinnehmen müssen. Aber was dann? Ein “Weiter so” kann es nach Corona nicht geben, schreibt der Oldesloer Hardy Fürstenau in einem Leserbrief, den wir an dieser Stelle veröffentlichen.

Foto: Stormarnlive.de

Geschüttelt  durch die globale Corona-Pandemie, getrieben durch verschiedenste Interessengruppen aus Wirtschaft, Partei und Gesellschaft, taumeln die politischen Entscheider seit Monaten von einer Maßnahme zur nächsten, um der bedrohlichen Situation Herr zu werden.

Und jeder gebotenen Einschränkung von gewohnten Freiheiten, jedem neuen Regelwerk zu Hygiene und Verhalten folgt reflexmäßig ein Aufschrei des Protestes aus irgendeiner Ecke der Gesellschaft. Dabei sollten diejenigen, die permanent und laut ihr Recht nach persönlicher Freiheit und so genannter Normalität einfordern, bedenken, dass ihr Rufen und Handeln die Freiheit der Gemeinschaft und das Allgemeinwohl bedrohen.
Statt kurzatmig-hektischer Entscheidungen, die immer unübersichtlicher und schwerer nachvollziehbar sind, wünschte ich mir ein einfaches, klares Regelwerk, das auch konsequent kontrolliert wird.

Bei aller konträren Diskussion sollte nicht das gemeinsame Ziel und das global Wohl aus den Augen verloren werden. Corona hält uns einen Spiegel vor, was in der Vergangenheit falsch gelaufen ist und was jetzt hinterfragt werden muss, um uns nachhaltig vor den neuen Herausforderungen zu schützen. Das bisherige Schubladen-Denken mit der Unterteilung in „Umwelt“, „Wirtschaft“, „Soziales“, „Gesundheit“, etc. muss endlich ein Ende haben, da wir auf unserem Planeten in einem geschlossenen System leben, wo alles miteinander verzahnt ist. Nur so lassen sich die aktuellen und akuten nationalen und globalen Probleme lösen. Statt populistischer, nationalistischer oder gar rassistisch-motivierter Bestrebungen brauchen wir konkrete, nachhaltige Lösungen, die sich am Fortbestand der Umwelt und damit der gesamten Menschheit orientiert.

So hat die „Fridays For Future“-Bewegung deutlich gemacht, dass die Politiker sich nicht mehr länger hinter Worten verstecken können sondern dass sie endlich handeln müssen. Das war der erste Schritt, sozusagen der Weckruf, in Richtung auf eine überregionale Sichtweise, um das begrenzte System Erde vor einer grenzenlosen Ausbeutung und Zerstörung zu bewahren. Aber jetzt, wo die Entscheider wach sind, müssen konkrete Taten folgen – auch beim „Weckdienst“. Nur be- und anklagen reicht nicht.
Die drastische Reduzierung von Artenvielfalt und Lebensräumen infolge fortschreitender Expansion von Wirtschaft und Wirtschaftsräumen nach dem Motto „nur Wachstum sichert Wohlstand“ lassen Viren immer häufiger vom Tier auf den Menschen überspringen, da wir dem Tier immer näher auf den Pelz rücken. Siehe HIV/Aids und Covid19/Corona. In Zeiten von Globalisierung mit Massentourismus und Hochgeschwindigkeits-Handel wird aus einem lokalen Ereignis eine weltweite Bedrohung mit existenziellen Auswirkungen auf Mensch und Wirtschaft.

Ein erster Ausweg aus den Corona-Einschränkungen scheint die digitale Welt mit „Social Media“, „Home Schooling“, „Home Office“, „E-Commerce“ etc. zu sein. Aber neben der Sozialkontakt-Problematik , sollte man auch bedenken, dass jede Internet- und Handy-/Smartphone-Aktivität Energie verbraucht, dass jeder Online-Kauf/-Versand zusätzlichen Verpackungsmüll und CO2-Ausstoß verursacht. Die Logistik-Branche, Netzwerk-/Plattform-Betreiber und der Online-Handel sind jetzt schon die Corona-Gewinner.

Ein Zurück zur Normalität nach Überwinden von Corona darf nur zu einer Normalität 2.0 werden, verbunden mit der Frage, ob wir uns in Zukunft wirklich noch alles leisten wollen, was die derzeitige Generation sich noch leisten kann. Weiter auf der nächsten Seite.

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