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Kultur

Vom Neonazi zum Pastor: Johannes Kneifel fand zu Gott

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Thorsten Wulff/hfr

Er wurde vom aggressiven Gewalttäter zum nächstenliebenden Pastor: Johannes Kneifel.

Wut, Hass und Gewalt gaben den Ton an in Johannes Kneifels Leben. Der traurige Höhepunkt seiner „Karriere“ als Neonazi war der Tod eines Unschuldigen. In der Zeit im Gefängnis fand er zu Gott. Jetzt studiert er Theologie, will Pfarrer werden und hat ein Buch geschrieben, aus dem er diese Woche auch in Bad Oldesloe lesen wird. Johannes Kneifel im Interview, exklusiv auf Stormarnlive.de.

Diese Woche ist der Theologe Johannes Kneifel in Bad Oldesloe zu Gast und ließt aus seinem Buch “Vom Saulus zum Paulus: Skinhead, Gewalttäter, Pastor – meine drei Leben”.

Lange Zeit regierten Alkohol, Gewalt und Hass sein Leben. Schließlich traktierte Johannes Kneifel, damals erst 17 Jahre alt, Neonazi, zusammen mit einem Gleichgesinnten den 44-jährigen Peter Deutschmann mit Schlägen und Stahlkappenstiefeln so stark, dass er später im Krankenhaus starb. Johannes Kneifel im Interview:

Was geht heute in Ihnen vor, wenn Sie an die Geschehnisse in der Nacht im August 1999 zurückdenken? Wie verarbeiten Sie das, kann man so etwas verarbeiten?

Ich habe diese Ereignisse verarbeitet. Ich durfte ein neues Leben anfangen, welches aber auch meine ganze Kraft erfordert. Die Vergangenheit hat keinen Platz mehr in meiner Gegenwart. Was ich von damals mitnehme, sind lediglich die Lehren, die ich daraus gezogen habe.

Eine derartige Wandlung der Lebenseinstellung, die Ihr Buch beschreibt, ist ja durchaus als ungewöhnlich zu bezeichnen. Was hat Ihnen im Gefängnis den ausschlaggebenden Impuls gegeben, sich von der von Ihnen beschriebenen “Wut, Gewalt und Fremdenhass” geprägten Vergangenheit abzuwenden?

Letztlich waren es immer Erfahrungen, durch die ich gelernt habe. Die Erfahrung, dass mein bisheriger Weg falsch war, weil mein Leben dadurch nicht besser, sondern schlechter wurde. Die Erfahrung, dass Menschen mit Migrationshintergrund nicht weniger Wert sind, sondern zu meinen wertvollsten Freunden wurden. Die Erfahrung, dass sich Situationen nicht bessern, wenn man gegeneinander kämpft, sondern nur, wenn man miteinander darauf hin arbeitet. Letztlich die wunderbare Erfahrung, dass es Gott gibt und er mir eine Beziehung und ganz neue Lebensperspektiven bietet.

Und wann, während Ihrer Haft, sind Sie an diesem Punkt gelangt?

Von Anfang an wollte ich ein neues Leben anfangen. Aber erst nach vier Jahren, als Jesus in mein Leben kam, hat er mir die Möglichkeit dazu gegeben, um die ich vorher vergeblich gekämpft habe.

Und welche Rolle spielten dabei Mithäftlinge und andere Wegbegleiter?

Ausländische Mithäftlinge waren die ersten, die mir einen Neuanfang zugebilligt haben. Rechtsradikale Häftlinge haben mir die Augen geöffnet für die Verlogenheit ihrer Ideologie. Mein Ausbilder ist mir unvoreingenommen begegnet, hat mich nur nach meinem Verhalten im Betrieb beurteilt. Berufsschullehrer haben meine Begabungen gefördert. Mitinsassen und Ehrenamtliche hatten Zeit für viele Gespräche. Christen haben mich immer wieder daran erinnert, dass Gott mich nicht aufgegeben hat, ich mit ihm jederzeit neu anfangen kann.

Ich könnte mir vorstellen, dass jemand, der sich im Gefängnis Gott zuwendet zumindest belächelt wird – das ist ja durchaus auch in unserer übrigen Gesellschaft der Fall. Wie hat sich Ihr Wandel auf die Beziehungen zu Ihren Mithäftlingen ausgewirkt, konnte Ihre positive Entscheidung/Entwicklung andere Insassen in eine positive Richtung beeinflussen?

Fast alle Insassen stellen sich die Frage, wie ihr Leben noch gelingen kann, nach allem, was passiert ist. Alle haben viel Zeit zum Nachdenken. Die unterschiedlichsten Religionen und Weltanschauungen kommen auf engstem Raum zusammen. Sinn, Religion und Gott sind Themen im Gefängnis, Gottesdienste oder Freitagsgebete sind gut besucht. Gerade bei den Insassen mit Migrationshintergrund ist das Wissen vorhanden, dass es Gott gibt. Lediglich der Schritt, mit den alten Gewohnheiten und Sicherheiten zu brechen und Gott völlig zu vertrauen, ist wahnsinnig schwer in einer Institution, in der es kein Vertrauen gibt. Insofern gab es mehr Respekt dafür, diesen Schritt zu wagen und konsequent umzusetzen, als negative Reaktionen.

Sich dem Glauben zuzuwenden ist eine Sache, Pastor werden eine andere. Wie erklären Sie diese Konsequenz, warum ein Theologiestudium?

Auch nach meiner Entlassung wollte ich nicht mehr ohne Gott leben. Ich praktiziere meinen Glauben, lebe eine Beziehung mit Gott und dazu gehört auch das Gespräch. Im Gebet habe ich gemerkt, dass Gott diesen Weg mit mir gehen will und habe ihn eingeschlagen. In den vielen Jahren seitdem, hat sich bestätigt, dass es der richtige Weg ist. Der richtige Weg für mich und für die Menschen, denen ich begegne.

Mit welchem Gedanken haben Sie Ihr Buch “Vom Saulus zum Paulus” verfasst, was wollen Sie damit bewirken? Vergangenheitsbewältigung? Welche Zielgruppe sollte sich von Ihrem Buch besonders angesprochen fühlen?

Die Vergangenheit hatte ich lange vorher bewältigt. Ich habe das Buch geschrieben, um auch anderen Menschen Hoffnung zu machen. Menschen in ähnlich ausweglosen Situationen, die vielleicht ebenfalls schon aufgegeben wurden und sich selbst aufgegeben haben, dass Veränderung und Neuanfang möglich sind. Ich will aber auch den “normalen” Mitbürgern zeigen, dass sie Leute nicht abstempeln sollen, ich bin ein Beispiel dafür, dass ein neues leben möglich ist, egal, was vorher war. Dazu muss man aber auch die Chance bekommen. Viele meiner Mithäftlinge haben diese Chance in unserer Gesellschaft nicht bekommen, so sehr sie sich auch darum bemüht haben. Da wird auch die Gesellschaft schuldig. Das soll nicht so bleiben! Schließlich möchte ich in einer zunehmend areligiösen Gesellschaft auch darauf hinweisen, dass es Gott gibt und er wunderbar eingreifen und Menschen und Situationen zum Guten verändern kann.

Damals wie heute ist Jugendgewalt ein Thema, dass unsere Gesellschaft beschäftigt und für Diskussionen darüber sorgt, wie man dem entgegenwirken kann. Welche Faktoren haben Sie aus heutiger Sicht zu der “Laufbahn” veranlasst, die in der Gewalttat im Jahre 1999 gipfelten?

Vieles war auch bei mir typisch. Armut, überforderte Eltern, Suchtverhalten, soziale Isolation, eine Peergroup, mit der ich zwar Spaß hatte, die mir aber nicht gut getan hat und letztlich “lernt” man in so einem Umfeld Hass und Gewalt. Ich war auf der Suche, nach einem besseren Leben, habe das allerdings mit den völlig falschen Methoden versucht und hatte niemanden, der mir einen besseren Weg gezeigt hätte.

Wo muss unsere Gesellschaft Ihrer Ansicht nach ansetzten, um derartige Taten, zu verhindern bzw. zu minimieren? Inwieweit engagieren Sie sich im Kampf gegen Rechtsextremismus?

Vor allem müssen andere Werte und Überzeugungen glaubwürdig und begeistert vorgelebt werden. Ich habe damals Orientierung gesucht, aber die einzigen, die sie mir überzeugend vorgelebt haben, waren die Rechten. Wir brauchen eine Gesellschaft, die Demokratie und Solidarität so lebt, dass es keine Verlierer gibt, die dann in den Fängen von Extremisten landen. Oder, um es als Pastor zu sagen: wir müssen in der Verantwortung vor Gott und in der Liebe zu unseren Mitmenschen denken und handeln. Das tue ich, so gut ich kann.

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Kultur

Ahrensburger Blockflötenensemble in der Bargteheider Kirche

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Foto: Heike Treichel/hfr

Ahrensburg – Das Blockflötenensemble der Volkshochschule Ahrensburg spielt am Sonntag, 2. Februar, in der Ev. Kirche in Bargteheide (Lindenstraße 2).

Im Konzert von „Blockweise“ erklingen die unterschiedlichsten Blockflöten, vom 16cm kleinen Flötlein bis zur 2 Meter großen Subbassflöte.

Die studierte Musikpädagogin Katrin Stobbe hat das Ensemble 1991 gegründet und seither alle Mitspieler von ihrem Enthusiasmus für die Blockflöte angesteckt.

Interessant für die Zuhörer ist auch das Programm: von Tänzen von Dowland und Holborne (um 1600) über „Nimrod“ von Edward Elgar bis zu unterschiedlichsten Kompositionen für Blockflötenorchester.

Teile davon wurde beim Deutschen Orchesterwettbewerb in Ulm 2016 und bei der Orchestrale in Rendsburg 2019 mit großem Erfolg gespielt.

Die Vorsitzende des Fördervereins Bargteheider Kirchenmusik, Gisela Greinus, auch Mitspielerin bei Blockweise, hatte die Idee, das 30. Jahr des Ensembles mit einem Konzert in der Bargteheider Kirche einzuläuten. Das Konzert beginnt bei freiem Eintritt um 17 Uhr.

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Bad Oldesloe

Bunt, begeisternd, beweglich: Marana verzaubert und verblüfft das Oldesloer KuB-Publikum

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Foto: KuB/Niemeier/hfr

Bad Oldesloe – Dass das Oldesloer Kultur- und Bildungszentrum all die kulturellen Erwartungen erfüllt hat, die einst mit ihm verbunden waren, ist längst bekannt. Die Investition in die Kunst- und Kulturszene der Kreisstadt hat sich gelohnt und Bad Oldesloe zu einem Hot-Spot für Kulturschaffende nicht nur aus der Region gemacht.

Der multifunktionale Saal, das begeisterungsfähige Publikum und das von der Lokalpolitik unterstützte KuB-Team ermöglichen es dabei auch immer mehr, experimentelle Auftrittsformate nach Stormarn zu holen, die hier zuvor selten bis nie zu sehen waren. Von kultureller Provinz sollte man da wirklich nicht mehr sprechen.

Ein weiteres ungewöhnliches Highlight in der schon prall gefüllten Liste der besonderen KuB-Gastspiele fügt nun die Gruppe von “Marana” hinzu, die gestern und heute (20 Uhr) im KuB-Saal gastiert. Man kann mit Fug und Recht und ohne Übertreibung sagen, dass das was man dort erleben kann wohl einmalig ist.

Das Bühnenbild ist bunt

Die tanzenden Artisten oder artistischen Tänzer – je nach Defintion – treten in einer komplett aus Wolle gehäkelten Kulisse und in fantasievollen Kostümen auf. Alles ist bunt und beweglich. Ist es eine Performance oder modernes Tanztheater? Was erzählt uns die Geschichte, die offenbar in unterschiedlichen Naturräumen spielt ?

Die Idee zu Marana hatte die Regisseurin Paula Riquelme. Sie ist eine ehemalige Zirkusartistin und Luftakrobatikchoreografin aus Chile. Für ihre Produktion wurde sie von der Natur inspiriert.

Foto: KuB/Niemeier/hfr

Das auf der Bühne Gezeigte wird zum im wahrsten Sinne des wortes “verwobenen” Gesamtkunstwerk, das ein wenig wie ein grellbunter Trip in eine ander Welt wirkt.

Untermalt wird das alles von elektronischen Klängen eines Livemusikers, der für einen Ambient-Soundtrack live an Mischpult, Percussion und Sampler sorgt.

Musikalische Untermalung live am Sampler

Das Publikum am Freitagabend reagierte begeistert, überrascht, zeitweise leicht verstört und immer neugierg und respektvoll auf das Dargebotene.

Für den Auftritt am Sonnabend (20 Uhr) wird es noch einige Karten an der Abendkasse geben. Ein echter Tipp für Performancefans und Freunde moderner Inszenierungen sowie elektronischer Klänge.

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Bad Oldesloe

Komische Oper: Musikhochschule zeigt „Die schöne Helena“ im KuB

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Bad Oldesloe – Um seinen Schülern die Komik zu lehren, inszeniert Regisseur Dominik Wilgenbus in Bad Oldesloe „Die schöne Helena“.

KuB-Managerin Inken Kautter, Regisseur Dominik Wilgenbus und Tim Knackstedt (KuB).

Die von Jaques Offenbach geschriebene Parodie des griechischen Mythos „Urteil des Paris“ wird Ende Februar von Studenten der Musikhochschule Lübeck im Oldesloer Kultur- und Bildungszentrum (KuB) aufgeführt.

Für Dominik Wilgenbus ist Komik nichts, das einem in die Wiege gelegt wird. Wer unterhalten will, muss arbeiten. Das vermittelt er seinen Studenten an der Musikhochschule Lübeck, die jetzt seit fünf Wochen „Die schöne Helena“ proben. „Unterhaltung wird allzu oft mit Anspruchslosigkeit in Verbindung gebracht aber das, was wir hier machen, ist keineswegs leicht und seicht“, sagt der freischaffende Musiktheater- und Schauspielregisseur. Das ist eine der ersten Lektionen, die er seinen Schülern beibringt. Dabei setzt er auch auf unkonventionelle Methoden: Komische Animationsfilme. Denn leichte Unterhaltung wie „Ice Age“ und Co. haben etwas, das sich auch auf anspruchsvolles Theater übertragen lässt: Timing. „Rhythmus, Tempo und das Setzen der richtigen Pausen ist für glaubhafte Komik sehr wichtig“, sagt Wilgenbus, der seinen Schülern immer und immer wieder die ersten Szenen aus dem Animationsfilm „Ice Age“ (2002) zeigte. So lange, bis allen das Lachen verging.

Damit die Oper „Die schöne Helena“ funktioniert, braucht es eben dieses Timing, wie Dominik Wilgenbus sagt:

„Das Stück verlangt den Darstellern alles ab.“

Denn Offenbach hat den griechischen Heldenmythos um das „Urteil des Paris“ in seiner Adaption in eine beinahe skandalöse Parodie verwandelt. Da gibt es den fetten König Agamemnon, seine etwas dümmlichen Handlanger, den Prinz von Troja, der gekommen ist, um die schöne Helena zu heiraten, die aber leider schon vergeben ist. Die in anderen Opern als unfehlbar und mit hehren Zielen dargestellten griechischen Helden werden eher als lachhafte Idioten dargestellt. Wer den Plot, fühlt sich unweigerlich an einen Monty Phyton-Film erinnert. „Sonst steht die griechische Mythologie eher auf einem hohen Podest, die schöne Helena entzaubert das alles. Es ist eine Hallodri-Geschichte“, sagt KuB-Managerin Inken Kautter. Sie freue sich sehr darüber, dass die Musikhochschule diese Oper gewählt habe: „Es ist ein populäres Stück, kurzweilig und eingängig für das Publikum.“ Sie ist überzeugt, dass das Stammpublikum nicht enttäuscht sein wird. Aufgeführt wird das Stück von 20 Studierenden unter der musikalischen Leitung von Prof. Robert Roche.

„Die schöne Helena“, Premiere am Freitag, 21. Februar, 20 Uhr, KuB-Saal (Beer-Yaacov-Weg 1), Bad Oldesloe. Weitere Aufführungen: Sonnabend, 22. Februar, 20 Uhr und Sonntag, 23. Februar, 17 Uhr. Tickets im Vorverkauf (www.kub-badoldesloe.de) für 18,50 Euro (erm. 12,50 Euro) und an der Abendkasse 20,50 Euro (erm. 14,50 Euro).

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