Vogelschießen in Bad Oldesloe. Foto: Fischer

Bad Oldesloe – Besorgte Eltern meldeten sich in den vergangenen Wochen bei der Stormarnlive-Redaktion. Ihre Sorge: Ist der Vogelschießenumzug durch die Stadt wirklich sicher? Was ist, wenn auch – im kleinen Bad Oldesloe – plötzlich ein Fahrzeug in den Umzug fahren sollte, absichtlich gelenkt oder versehentlich durch einen Unfall.

Daher fragte die Redkation nach. Das Ergebnis: Im Ernstfall kann das Kindervogelschießen schwer vor einem Fahrzeug geschützt werden, das in den Umzug fährt. Zu diesem Ergebnis kommt die Oldesloer Polizei, die sich in diesem Jahr das erste Mal mit der Frage beschäftigt hat, wie angreifbar der Vogelschießen-Umzug ist. 100-prozentige Sicherheit würde nur eine Absage bringen.

Das Kindervogelschießen gehört zu den größten und ältesten Volksfesten in Norddeutschland. Wesentlicher Bestandteil des Festes ist der Umzug, bei dem 3000 Kinder und Jugendliche aller Oldesloer Schulen durch die Innenstadt und über den Berliner Ring laufen, die Hauptverkehrsader der Stadt.

Es ist ein Horrorszenario: Ein Amok- oder Unfallfahrer durchbricht die Absperrungen und rast mit einem Fahrzeug in den Kinder-Umzug. Spätestens seit den Anschlägen in Berlin, Stockholm und London, bei denen Terroristen mit Lastwagen in Menschenmengen gefahren sind, bereiten viel besuchte Feste und Paraden Sicherheitsbehörden und Bürgern Unbehagen. So offenbar auch mittlerweile in Bad Oldesloe. Das Thema ist bei Eltern und Mitbürgern angekommen. Die Frage nach Sicherheit wird immer größer. Schön ist das Gefühl nicht, aber verschweigen kann man die Sorge vieler Eltern auch nicht.

Das mulmige Gefühl, die Angst vor einer unvorhersehbaren Gefahr, macht auch nicht vor vielen der Eltern Halt, deren Kinder am 20. Juli beim Umzug mitlaufen werden.

Es gibt derzeit ausdrücklich keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung. Dennoch haben Michael Demski, Leiter der Polizeistation in Bad Oldesloe, und seine Kollegen sich mit der Frage beschäftigt, ob und wie die Sicherheit des Kindervogelschießen gewährleistet werden kann – konkret auch mit Blick auf die Anschläge in jüngster Zeit, bei denen Lastwagen als Waffe zum Einsatz kamen.

Das Ergebnis ist ernüchternd: „Wir sind zu der Einschätzung gekommen, dass es keine geeigneten Maßnahmen gibt, die die Sicherheit erhöhen würden“, sagt der Oldesloer Polizeichef. Von einer Absage des Umzuges einmal abgesehen. Der sei von allen Seiten her ein weiches Ziel.

Rein theoretisch gibt es zwar Möglichkeiten, einen Lastwagen am Durchfahren der abgesperrten Umzug-Strecke zu hindern. Mit Mitteln der Polizei sei das aber nicht umsetzbar. Um alle Einfahrten mit Barrikaden abzusichern, „wäre ein unheimlich großer Personalaufwand nötig“, sagt Demski. Ein Restrisiko werde es auch dann geben.

Bislang sind seitens der Polizei keine Vorkehrungen zur Terrorabwehr geplant, die über die verkehrspolizeilichen – also das Absperren der Kreuzungen durch Streifenpolizisten – hinaus gehen. Die Oldesloer Polizei befindet sich allerdings weiterhin in Gesprächen mit dem Ordnungsamt, das letztendlich die Entscheidung trifft, ob Umzug und Fest wie gewohnt stattfinden.

Das Ordnungsamt äußert sich derzeit nicht konkret über mögliche Vorkehrungen: „In Zusammenarbeit mit der Polizei beschäftigen wir uns mit der Thematik“, sagt Jens Siedlaczek vom Ordnungsamt. Nach einem Termin am nächsten Donnerstag wird entschieden, ob weitergehende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen.

Veranstalter ist der Vogelschießer-Ausschuss, der von der Stadt Bad Oldesloe als Kooperationspartner bei der Organisation unterstützt wird. Für Inken Kautter, Leiterin des Sachbereich Kultur, ist die Absage des Umzuges aus Angst vor einem terroristischen Anschlag nicht die Lösung: „Eine 100-prozentige Sicherheit wird es nie geben aber dennoch muss darüber nachgedacht werden, wie so ein Fest an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden kann.“

Der Vogelschießen-Umzug ist für viele Oldesloer eine „heilige Kuh“. Als die Tradition vor sechs Jahren wegen einer schlechten Wetterprognose kurzfristig abgesagt wurde, war die Aufregung groß. In der langen Geschichte des Festes, die bis in das 19. Jahrhundert zurückgeht, soll der Umzug nur drei Mal ausgefallen sein.

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