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Bad Oldesloe – Einige Bürger scheinen sich um ihre Sicherheit zu sorgen – und das, während die Kriminalität in Bad Oldesloe in den meisten Bereichen abnimmt, oder zumindest stagniert.

Die Oldesloer Polizeiführung stand dem aus Hauptausschuss-Mitgliedern bestehenden Polizeibeirat in Sachen Kriminalität jetzt Rede und Antwort. Dabei schockte die Beiratsmitglieder zunächst erstmals eines: Die Fragen selbst. Die kamen zu einem Großteil von den Freien Wählern (FBO) – genaugenommen von nicht näher benannten Teilnehmern einer Bürgerfragestunde der Partei.

Ein Fragesteller behauptet etwa, dass sich „Einheimische“ nach Einbruch der Dunkelheit in einigen Gegenden nicht mehr auf die Straße trauen würden und was die Polizei gegen das sinkende Sicherheitsgefühl der „deutschen Bevölkerung“ tun könne.

„Es spricht aus den Fragen schon ein gewisses Weltbild“

Dass in vielen der Beiträge eine als Fakt hingestellte Kriminalitätszunahme offenbar mit der nichtdeutschen Bevölkerung in Verbindung gebracht wird, bereitete anderen Lokalpolitkern Sorgen: „Es spricht aus den Fragen schon ein gewisses Weltbild“, merkte Hendrik Holtz (Die Linke) an. Er habe hier gerade den Eindruck, dass die AfD bereits mit im Ausschuss sitze. Auch Beirats- und Hauptausschussvorsitzende Angela Fehrmann (CDU) kritisierte die „tendenziöse Fragestellung“ einiger Punkte.

So verdächtigt eine andere Frage Asylbewerber in der Kamp- und Turmstraße des Drogenhandels, eine weitere behauptet, dass sie sich nicht an Verkehrsregeln halten würden – und Fahrräder für Asylbewerber „offenbar zu den Willkommensgeschenken“ gehören.

Da platzte Hartmut Jokisch (Bündnis 90/Die Grünen) der Kragen: „Diese Formulierung ist wirklich reinste ‚Hate-Speech‘ und unterste Schublade, noch weit unter Stammtischniveau.“

Patricia Rohde (FBO) entschuldigte die Formulierungen der Fragen damit, dass diese „1 zu 1“ von Bürgern in einer Bürgerfragestunde ihrer Partei gestellt wurden.

Diakon Wolfgang Schmidt (Freie Wähler) verteidigte die Beiträge: „Die Fragen spiegeln schon etwas wieder und wir können das nicht einfach so abtun.“ Auch er sei der Ansicht, dass das Wohlfühlklima schlechter geworden sei.

„Das Sicherheitsgefühl ist eine subjektive Sache“

Woran das liegt, konnte Andreas Knaak von der Oldesloer Kriminalpolizei nicht beantworten: „Das Sicherheitsgefühl ist eine subjektive Sache und eher eine Emotion.“

Mehr Kriminalität jedenfalls gibt es nicht – eher weniger, wie Knaak erklärt: „Es gibt keinen Bereich mit Ausschlägen nach oben, die uns Sorgen machen würden.“ Auch eine Drogenszene in der Turmstraße sei der Polizei nicht bekannt. Es sei dort 2016 lediglich eine Beobachtung gemeldet worden.

Raub-Taten und Körperverletzungen haben lediglich leicht zu- und Diebstahldelikte abgenommen. Die Wohnungseinbruchszahlen seien innerhalb eines Jahres massiv zurückgegangen – von 106 Taten in 2015 auf 58 in 2016.

Maria Herrmann (SPD): „Also ich fühle mich hier so sicher wie vor 20 Jahren und ich traue mich auch als Frau noch nachts auf die Straße.“

Auch die Frage nach sexuellen Belästigungen durch Asylbewerber konnten die Ordnungshüter dem Polizeibeirat im übrigen beantworten: Es gab im vergangenen Jahr 23 angezeigte sexuelle Übergriffe – acht davon durch Ausländer. Bei allen Fällen muss es nicht zwingend zu einer Verurteilung gekommen sein.

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