Ein Kommentar zur Presse-Schelte des Oldesloer Bürgermeisters in der Stadtverordnetenversammlung zum Tötungsdelikt vor einer Obdachlosenunterkunft.

Mangelnde Professionalität in der Recherche, streuen von Fehlinformation über das Verhalten der Verwaltung durch „die Presse“. Es sind schwere Vorwürfe, die Bürgermeister Jörg Lembke am Montag in der Stadtverordnetenversammlung erhoben hat – und das ganz pauschal und ohne Differenzierung gegen „die Medien“. Kern der Aussage: Die Presse hat falsch berichtet, die Verwaltung hat alles richtig gemacht.

Auslöser für die Medienkritik – so heißt es aus Verwaltungskreisen – war eine Glosse des Stormarner Tageblatts, in der Kritik geäußert wird, dass beide Flüchtlinge vor den tragischen Ereignissen aufgrund von Verfehlungen aus ihren Unterkünften geworfen und dann in der selben Obdachlosenunterkunft untergebracht wurden. Der Absatz „Abgeschoben“ endet mit dem Satz „Das Ergebnis sehen wir jetzt: Einer ist tot, der andere im Knast – Oldesloe ist sie jetzt los. So werden hier also Probleme gelöst.“

Eine brutale Feststellung. Doch ist es eben auch ein Stilmittel einer Glosse – also eines satirischen Kommentares – Ereignisse überspitzt darzustellen. Ob das nun angebracht ist oder nicht, muss der Leser entscheiden. Der Punkt ist ein anderer: Ein Kommentar ist keine Berichterstattung sondern eben ein Kommentar – und zwar der des Autors und nicht „der Medien“.

Eine pauschale Verunglimpfung der Medienberichterstattung aufgrund des Inhaltes einer Glosse in einem Medium ist diplomatisch ausgedrückt unglücklich und schlägt in die allseits gerne gehauene Lügenpresse-Kerbe.

Ebenso unglücklich ist, dass der Bürgermeister für seine undifferenzierte Pauschal-Verurteilung von einzelnen Stadtvertretern auch noch Applaus erntete.

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