shutterstock.com (Symbolfoto
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„Atemberaubend absurd, witzig, etwas verstörend. Die Darsteller: Überzeugend, wenn auch zeitweise etwas überzeichnet.“ Das erste Theaterstück um das neue Kultur- und Bildungszentrum feierte bereits Premiere in Bad Oldesloe, wenn auch zunächst noch in der Festhalle während der Stadtverordnetenversammlung – „dasKUB“ ist ja bekanntlich noch nicht eröffnet.

Das kafkaeske Stück behandelt die verzweifelte Suche nach einem Namen für ein Gebäude, das einmal für Konzert- und Theaterveranstaltungen genutzt werden soll. Der Regisseur achtete in seinem zeitgenössischen Werk auch auf die Feinheiten, erschuf mit herrlicher Konsequenz ein groteskes Meisterwerk.

Schon die Rahmenhandlung ist als Kritik am öffentlichen Bauwesen zu sehen. Der Kenner sieht sofort die vom Regisseur gezogenen Parallelen zu Prestige-Bauten und Millionengräbern wie der Elbphilharmonie in Hamburg oder dem Berliner Flughafen „BER“.

Als wäre das noch nicht genug, schockt der Inszenator die Zuschauer mit einer absurden Haupthandlung. So ließ er etwa ein Jahr vor geplanter Fertigstellung die Lokalpolitik über den Namen befinden. Ein Beirat, bestehend aus Hauptnutzern, sollte einen Vorschlag liefern. Der Wunsch der Ehrenamtler: „KuB“ – simpel und bereits etabliert. Das sorgte unter den Stadtvätern für wenig Applaus: Das sei doch kein Name. Etwas unverwechselbares müsse der Öffentlichkeit präsentiert werden. Und so setzte sich das Gremium abermals zusammen und bastelte ein ganzes Konzept: „dasKUB“, im Inneren „derSAAL“, „dasFOYER“ – und so weiter. Zuversichtlich trugen die Beiräter ihre Buchstabenkombination erneut in den Kulturausschuss. Dort schlugen die Verantwortlichen die Hände über dem Kopf zusammen.

Dann doch lieber „KuB“, dachte sich die CDU und präsentierte einen entsprechenden Antrag. „Nix da“, schmetterten Grüne und SPD die List ab. Um dem Grauen zu entgehen, sollte lieber ein Beteiligungsverfahren her: Demokratisch, bürgernah. So lässt sich punkten. Außerdem mit einer fachkundigen Jury, die aus den Volksbeiträgen dann mittels Expertise den sensationellen Titel für den Kulturbau hervorzaubern sollte. „Es kann ja durchaus sein, dass sich die Jury für diesen Vorschlag entscheidet“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten (Maria Herrmann). Doch damit hatte niemand gerechnet: Die Marketing-Weisen sprechen sich tatsächlich für „dasKUB“ aus. Ausgerechnet der Namen, dem die Lokalpolitiker mit einem demokratischen Beteiligungsverfahren aus dem Weg gehen wollen, landet nach selbigem erneut auf dem Tisch. Eine ulkige Wendung der Ereignisse. „Das ist doch ein Schildbürgerstreich!“, zeigt Hendrik Holtz (Die Linke) die nicht von der Hand zu weisende Anlehnung an den Schwankroman „Schildbürger“ auf.

Doch damit nicht genug! Erneut schlägt der Regisseur einen Haken in der Erzählung und lässt im Hauptausschuss die CDU-Fraktion ihren alten Antrag erneut zur Abstimmung vorlegen. „Was soll das? Das hat doch schon einmal nicht geklappt!“, meint der unwissende Betrachter. Dann die Überraschung! Mit einer zusätzlichen Grünen-Stimme wird der Antrag durchgeboxt. Schockmoment! Dann geht alles ganz schnell.

Zwei Tage später – Stadtverordnetenversammlung. Auch hier: Der Antrag kommt durch. Das Ding heißt „KuB“ – so wie es anfangs eigentlich niemand der Stadtvertreter wollte. Da ist dem Regisseur dann doch etwas der Realismus abhanden gekommen. Die Stadtverordneten, die damals für das Beteiligungsverfahren stimmten und nun für den CDU-Antrag sollen in der KuB-Groteske wohl die politische Beliebigkeit und die persönlichen Befindlichkeiten darstellen. Aber das ist nur eine Interpretation.

„Es geht hier nicht um den Namen sondern um das mangelhafte Verständnis von Demokratie“, sagt der fraktionslose Stadtverordnete Diakon Wolfgang Schmidt. „Wir haben damals gesagt, der Jury die Entscheidung zu überlassen. Jetzt passt das Ergebnis einigen nicht in den Kram und es wird dagegen gestimmt“, ärgert sich der Lokalpolitiker. Das sei autokratisch und mache die Namensfindung zu einer Farce.

Sei es drum. Die Grünen jedenfalls lassen sich von der Jury nicht hinter das vermeintliche Licht führen: „Wenn diese Jury uns mit dem selben Vorschlag kommt, der uns schon mal vorgelegt wurde, ist das ein Affront!“, wettert Hartmut Jokisch. „Daher sind wir auch nicht wortbrüchig.“

Mitglieder des KuB-Beirats sind verwirrt: Ein halbes Jahr und ein ganzes Beteiligungsverfahren hätte man sich sparen, „KuB“ schon vor einem halben Jahr beschließen können. „Im Endeffekt kann man doch nur amüsiert sein, aus unserer Sicht. Das ist komisch aber zugleich traurig“, interpretiert Patrick Niemeier von Klangstadt, der mit weiteren Hauptnutzern zunächst „KuB“ und später „dasKUB“ vorgeschlagen hatte, das Werk. „Wie provinziell dieser Ort ist und wie kleingeistig manche Protagonisten zeigt sich doch wieder daran, wie so eine Diskussion aufgeblasen wird.“

Auch aus Reihen der Jury, die „dasKUB“ favorisierte, bleibt ein Kommentar zum lokalpolitischen Gezanke nicht aus: „Das Ergebnis führt die ganze Sache ad absurdum“, wundert sich Werbefachmann Michael E. Deutschbein. Er wünscht dem „Tollen Kultur- und Bildungszentrum“ und den Bad Oldesloern dennoch alles Gute.

Die „KuB-Groteske“ wird wohl nicht noch einmal aufgeführt. Doch das letzte kurzweilige Stück in ähnlicher Besetzung wird es nicht gewesen sein.

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1 Kommentar

  1. ich denke noch drüber nach, wer was und wann und wo kleingeistig aufgeblasen hat.
    Dem selbsternannten KuB-Regisseur schlage ich folgende Aufführungen vor:
    1. Sturm im Wasserglas
    2. Viel Lärm um nichts
    3. Wie es euch gefällt

    es grüßt mit (mir von Ihnen angedichtetem) fehlenden Demokratieverständnis und arroganter Überhöhung
    die dumme Feierabendpolitikerin Karin Hoffmann

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