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Denken hilft gegen die Angst vor dem „bösen schwarzen Mann“

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Eine Gegendemonstrantin mit Plakat: "Denken hilft". Foto:Fischer

Eine Gegendemonstrantin mit Plakat: „Denken hilft“. Foto:Fischer

Nachdem vor einer Woche eine junge Frau in einem Parkhaus in Bad Oldesloe fast vergewaltigt wurde, gingen an diesem Sonntag 120 bis 150 Menschen „gegen sexuelle Gewalt durch kriminelle Ausländer“ auf die Straße. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen minderjährigen Flüchtling aus Eritrea.

Es ist eine widerwärtige Tat. Ebenso wie sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht in Köln und Hamburg und in jedem anderen Teil der Welt oder zu jedem anderen Zeitpunkt. Und dennoch: Die Aussage, die mit Demonstrationen wie der am vergangenen Sonntag in Bad Oldesloe getroffen wird, birgt ein grundlegendes Problem.

Schon das Abhalten einer Demo fokussiert „gegen sexuelle Gewalt“ durch „kriminelle Ausländer“ suggeriert: „Der Ausländer – oder aus aktuellem Anlass speziell der Asylbewerber an sich – ist ein potenzieller Vergewaltiger, vor dem man, beziehungsweise Frau, sich in Acht nehmen sollte.“

Und das ist eine rassistische Aussage und eine gnadenlose Vorverurteilung aller asylsuchenden Menschen. Ob der Veranstalter diese Intention aktiv oder eher aus Versehen verfolgte, spielt im Ergebnis keine Rolle.

Von Teilnehmern getroffene Aussagen wie „wir haben ja nichts gegen Asylanten, aber sie müssen sich halt benehmen und sich an unsere Gesetze halten“, unterstellen, dass „die Asylanten“ wohl überwiegend kriminell sind. Im Mittelpunkt der Sorge stehen also nicht die durch sexuelle Übergriffe bedrohten Frauen, sondern der Frauen bedrohende Ausländer.

Eine Demonstration gegen sexuelle Gewalt ohne den Ausländer-Subtitel wäre glaubhafter gewesen. Denn Arschlöcher, die Frauen belästigen oder vergewaltigen, gibt es unter Asylbewerbern ebenso wie unter Deutschen, unter Weißen, Schwarzen, unter Christen, Juden, Moslems.

So zeigt die Demonstration nicht – wie eine Demonstration es sollte – Missstände auf, sondern hilft dabei, sie zu kreieren. Sie schürt Ängste gegen Asylsuchende. Und Angst verhindert Integration. Nicht integrierte, sich nicht erwünscht fühlende Menschen bleiben unter sich. Und wer sich nicht respektiert fühlt, begegnet anderen nicht mit Respekt. Parallelgesellschaften und Subkulturen entstehen. Ein perfekter Nährboden für Kriminalität und Radikalisierung. Und am Ende wundert sich dann jeder über „die nicht integrierten, kriminellen Ausländer“.

Also geht und besucht eine Flüchtlingsunterkunft und unterhaltet euch, gebt Sprachunterricht, spielt Schach oder Karten. Das könnte aus Versehen sogar gesellig sein.

Und ich stelle mal die vage These auf: Die Gefahr, dort vergewaltigt zu werden, ist nicht höher als andernorts. Vielleicht ist der „böse schwarze Mann“ im Kleiderschrank nicht so böse wie einem manch einer weiß machen will.

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3 Comments

3 Comments

  1. Karl-Heinz Lenz

    26. Januar 2016 at 10:46

    Selten so einen naiven Kommentar gelesen! Es wurde ja nicht gegen alle Ausländer demonstriert, sondern nur gegen die kriminellen. Mit keinem Wort wird im Kommentar erwähnt, dass es einen gewaltigen Anstieg sexueller Belästigungen durch Flüchtlinge gibt. Natürlich sind nicht alle so, aber das Frauenbild im Islam ist so steinzeitmäßig, dass es zu solchen Auswüchsen kommen muss. Noch nie hatten wir 800 Anzeigen bei einer einzigen Silvesterfeier – fast ausschließlich sind die Täter aus islamischen Ländern. Das hätte man auch mal erwähnen können um weiter glaubhaft zu wirken. So ist es nur der übliche Versuch die Kritiker der verantwortungslosen Politik mundtot zu machen.

  2. Sven

    26. Januar 2016 at 12:34

    Die Demo mal kurz Revue passieren lassen…wir haben doch auch über nicht ausländische kriminelle und Vergewaltiger gesprochen.
    Ihr legt euch wieder alles so hin wie ihr es braucht.
    Deutsche Presse eben.

  3. Cheng

    27. Januar 2016 at 18:17

    Lieber Herrn Karl-Heinz Lenz, ich bin auch der Meinung wie Sie, dass das Frauenbild im Islam hochwahrscheinlich anders als in Deutschland ist. Die vielen Anzeigen gegen sexuale Übergriffe allein zur Silvesternacht in Köln könnten unsere These gut untermauern. Dennoch bringt uns das Kommentar von Herrn Finn Fisch nicht auch mal zum Nachdenken? Nämlich: Man sollte für seine geäußerten Wörter sensibilisiert sein. Sind wir gegen die Flüchtlinge bzw. die Asylsuchende? Oder sind wir eher gegen die Politik, die keine konkreten Maßnahmen zur Aufnahme der Asylsuchende im voraus herausarbeitet und bei der jetziger Situation allen nicht weiter zu Frieden stellen kann? Wirft man einen Blick auf den Slogan der vergangenen Demonstration, fällt es uns wirklich nicht auf, was man damit zu beanspruchen ebenso zu verbreiten versucht hat. Sexuelle Gewalt egal durch wen ist an sich offensichtlich als kriminal einzustufen! Diese Kombination zwischen sexueller Gewalt und Ausländern ist unangemessen. Dennoch durch die öffentliche Rede ist der Urteil ohne langwierigen Prozess allein in diesem Slogan „gegen sexuelle Gewalt durch kriminelle Ausländer“ gegen vielen Ausländer bereits gefallen. Ist jedoch diese Äußerung bzw. der Anspruch von den Demonstranten wohl nach dem Überlegen präziser herausgebraucht worden, kann nun fast ein Zehntel der Bevölkerung Deutschlands die Erkenntnis schmerzvoll hinnehmen.

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Arandela über G20-Protest: Die Gewalt hat die schönen Dinge untergehen lassen

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Das sagt die Oldesloer Jugendgruppe „Arandela – die linke Initiative“ zum G20-Protestwochenende in Hamburg:

Wenn man an das vergangene Wochenende zurückdenkt, kommen einem schreckliche Bilder in den Kopf. Polizist*Innen, die mit Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern gegen Demonstrant*Innen vorgehen, vermummte Menschen, die Flaschen werfen, Autos und Barrikaden anzünden.

Bilder, die in diesen Szenarien untergehen sind die von über 75 000 friedlich und gemeinsam demonstrierenden Menschen mit den verschiedensten Hintergründen.

Insgesamt sind am Wochenende so viele schöne Dinge passiert, die in dem Desaster-Puzzle aus gewalttätigen Auseinandersetzungen, Polizeiwillkür und verfehlter Politik untergehen.

Die Akteure, die das Geschehen in Hamburg bestimmt haben, sind Polizei und Demonstranten*Innen. Einige von ihnen waren auch von Anfang an gewaltbereit, andere sind sogar zum Krawall machen angereist. Dass dies jedoch nur ein geringer Teil der gesamten Masse war, wird jedoch zu wenig wahrgenommen und es wird pauschalisiert. Alle Demonstranten*Innen sind links, alle Linken sind radikal, alle Radikalen gewaltbereit und am Ende kommt der Stempel Terrorist drauf und die Terroristen gehören erschossen. Das ist auf Facebook in einigen Kommentarspalten Konsens und die Hetze beginnt. In einem solchen Fall von Terrorismus zu sprechen, ist eine Respektlosigkeit gegenüber jenen, die durch „richtigen“ Terrorismus direkt betroffen waren.

Welchen Sinn ergäbe es denn für die Hamburger linke Szene, die Schanze zu verwüsten?

Die Krawalle mögen aus den zersprengten Demonstrationen entstanden sein, aber das, was in der Nacht passierte, hat nichts mehr mit Politik zu tun. Anwohner und Ladeninhaber, die auf der Schanze angesiedelt sind, beschrieben die Situation in einer auf Facebook veröffentlichten Erklärung wie folgt:

„(…) Der weit größere Teil waren erlebnishungrige Jugendliche sowie Voyeure und Partyvolk, denen wir eher auf dem Schlagermove, beim Fußballspiel oder Bushido-Konzert über den Weg laufen würden als auf einer linksradikalen Demo (…) „

+++ STELLUNGNAHME ZU DEN EREIGNISSEN VOM WOCHENENDE +++Wir, einige Geschäfts- und Gewerbetreibende des Hamburger…

Posted by Bistro Carmagnole on Mittwoch, 12. Juli 2017

Dem ist wenig hinzuzufügen. Außerdem hat sich inzwischen herausgestellt, dass auch rechte Hooligans und Rechtsextreme unter den brandschatzenden Idioten dabei waren. Gleiches gilt für die brennenden Autos. Dies ist nicht entschuldbar, aber da hat die linke Szene abgesehen von einem gewaltigen Imageschaden nichts von. Es ist wie in vielen Religionen. Im Namen einer Religion Gräueltaten zu begehen ist etwas anderes als tatsächlich religiös zu sein.

Bei einem Konflikt gibt es ja bekanntlich immer mehrere Seiten, womit wir bei der Polizei wären. Hier wird besonders auch in der linken Szene gerne pauschalisiert, aber man darf es sich auf keiner Seite zu einfach machen. Man sollte weder alle Polizist*Innen glorifizieren, noch verteufeln.

Zur Zeit hört man häufig Sätze, wie „Nun lasst doch mal die Polizisten in Ruhe!“, „Das sind auch nur Menschen!“ und „Für mich sind das alles Helden!“. Wir wollen niemandem das Mensch sein absprechen, aber zum Mensch sein gehört nun mal auch Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und das eigene Handeln zu reflektieren, besonders wenn es auf Anordnung von anderen hin geschehen soll und die Vereinbarkeit mit den Menschenrechten fraglich ist.

Auf der einen Seite müssen die prekären Arbeitsbedingungen auch angeprangert werden, denn gerade in einem Beruf wie diesem ist die Mischung aus Schlafmangel, Aggression und Verantwortung eine sehr gefährliche. Ganz davon abgesehen war die Gewaltenteilung am vergangenen Wochenende in Hamburg praktisch aufgelöst und die Polizei hat gleichzeitig die Spielregeln bestimmt, durchgesetzt und Verstöße geahndet. Dies führt natürlich auch zu einer Überlastung bei den Beteiligten und in Stresssituationen wie diesen, kommt es dann auch vor, dass Aggressionen an Stellen austreten, wo sie nichts zu suchen haben. So etwas darf in einem Rechtsstaat nicht vorkommen.

Das Problem liegt nicht nur bei den einzelnen Polizist*Innen, sondern in der gesamten Struktur des Apparates. Bereits im Mai wurden Gesetzesänderungen verabschiedet, die die Polizeiwillkür unterstützen und es einfacher machen, unangenehme Personen festzunehmen und zu verurteilen.

Außerdem wurden bewusst Verletzte in den eigenen Reihen in Kauf genommen. Dehydrierte Polizist*Innen und Verletzte durch das eigene Pfefferspray sprechen nicht unbedingt für die Vorgesetzten, die mit der Planung und Durchführung des Manövers betraut waren.

So war auch mit der Ernennung Hartmut Duddes zum führenden Einsatzleiter klar, welche Linie in Hamburg gefahren werden soll. Mehrere seiner bisherigen Einsätze gegen Demonstrationen wurden im Nachhinein für rechtswidrig erklärt. Seine Philosophie ist durchgreifen – selbst bei kleinsten Ordnungswidrigkeiten. Deeskalation durch Machtdemonstration: eine Taktik, die sich ja bereits im Kalten Krieg wunderbar bewährt hat.

Insgesamt hätte es eine andere Taktik gebraucht, um eine friedliche Atmosphäre zu gewährleisten. Mehr Dialog, ruhigere Führung und mehr Vertrauen in die Mitmenschen und Demonstranten*Innen.

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Bad Oldesloe

Leserbrief: "Danke und Respekt für die Polizei"

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Walter Albrecht
Archivfoto: SL

Stormarnlive-Leser und Gewerkschafter Walter Albrecht, der sich vor allem auch gegen Rechtsextremismus engagiert, bedankt sich in einem Leserbrief bei den in Hamburg eingesetzten Polizisten. 

„Liebe Polizistinnen und Polizisten,
ich möchte mich bei allen von Ihnen bedanken, die in Hamburg beim G 20 Gipfel im Einsatz waren.

Sie mussten sich unter Einsatz Ihres Lebens mit den Gewalttätigen herumschlagen.
Ich möchte es ganz deutlich sagen, diese Chaoten sind keine Demonstranten sondern Verbrecher.

Wir haben am 02.Juli unter anderem mit Gewerkschaften eine ganz eindrucksvolle und friedliche Demo in Hamburg
durchgeführt.

Wir sollten uns immer wieder vor Augen führen, diese Polizistinnen und Polizisten haben auch Familien.

Dass diese in Sorge um Ihre Angehörigen sind, ist für mich klar nachvollziehbar.
Deshalb müssen wir allen unseren Dank und Respekt entgegenbringen.
Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung.“

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Bad Oldesloe

Leserbrief: „Danke und Respekt für die Polizei“

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Walter Albrecht
Archivfoto: SL

Stormarnlive-Leser und Gewerkschafter Walter Albrecht, der sich vor allem auch gegen Rechtsextremismus engagiert, bedankt sich in einem Leserbrief bei den in Hamburg eingesetzten Polizisten. 

„Liebe Polizistinnen und Polizisten,
ich möchte mich bei allen von Ihnen bedanken, die in Hamburg beim G 20 Gipfel im Einsatz waren.

Sie mussten sich unter Einsatz Ihres Lebens mit den Gewalttätigen herumschlagen.
Ich möchte es ganz deutlich sagen, diese Chaoten sind keine Demonstranten sondern Verbrecher.

Wir haben am 02.Juli unter anderem mit Gewerkschaften eine ganz eindrucksvolle und friedliche Demo in Hamburg
durchgeführt.

Wir sollten uns immer wieder vor Augen führen, diese Polizistinnen und Polizisten haben auch Familien.

Dass diese in Sorge um Ihre Angehörigen sind, ist für mich klar nachvollziehbar.
Deshalb müssen wir allen unseren Dank und Respekt entgegenbringen.
Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung.“

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